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Dienstag, 27. Juli 2010


Evangelium vom 17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C: Lk 11,1-13

Predigt

An dem Ort, wo Jesus die Jünger das Vater unser Gebet gelehrt hat, gibt es heute in Israel die „Vater unser“ Kirche. Diejenigen von Ihnen, die schon in Israel waren, haben bestimmt diese berühmte Kirche besucht. In Deutschland gibt es eine Vater Unser Kapelle in Ibental in der Nähe von Freiburg, in der das Vater unser Gebet architektonisch dargestellt wird. Es gibt tausende Melodien mit diesem Gebet in unterschiedlichen Sprachen der Welt und Übersetzungen in alle Sprachen der Welt und auch tausende theologische Bücher wurden über das „Vater unser“ geschrieben. Ich besuchte einmal in Freiburg im Breisgau eine kleine Bibliothek mit einigen tausend Büchern über das Vater unser. Dieses Gebet fasziniert viele Menschen aus allen Religionen. Für uns Christen ist das „Vater unser“ das wichtigste Gebet, weil Jesus es uns gelehrt hat. Deswegen beten wir es in jedem Gottesdienst.

Im ersten Satz des ersten Teils beten wir: „Geheiligt werde Dein Name“. Im ersten Satz des zweiten Teils beten wir: „Gib uns unser tägliches Brot. Wir loben und wir preisen Gott den Vater und sprechen damit unsere Dankbarkeit aus.( Wir fühlen uns sehr wohl und frei Gott den Vater dankbar zu loben und dabei sehr glücklich zu sein???) Gleichzeitig haben wir keine Scheu ihn zu bitten, uns unser tägliches Brot zu geben. Das ist die Freiheit der Kinder Gottes. Vor Gott dürfen wir denken, reden und wünschen, wie wir Menschen es können und wollen. Mit vollem Vertrauen und einer tiefen Zugehörigkeit dürfen wir uns in allen Anliegen an Gott den Vater wenden.


Im zweiten Satz des ersten Teils beten wir: Dein Reich komme. Im zweiten Satz des zweiten Teils beten wir: „Vergib uns unsere Schuld. Gottes Reich kommt nur, wenn Gott uns unsere Schuld vergibt. Durch menschliche Fähigkeiten alleine können wir kein glückliches Leben auf Erden ermöglichen. Dafür brauchen wir auch Gottes Gnade. Aber es ist wichtig zu wissen, dass Gott uns vergibt, nur wenn wir unseren Mitmenschen vergeben. Wenn die Menschen die Fähigkeit zu vergeben und vergessen nicht hätten, wäre ein menschliches und friedliches Leben unmöglich.


Im dritten und letzten Satz des ersten Teils beten wir, dass Gottes Wille auf Erden geschehen solle. Im dritten und letzten Satz des zweiten Teils beten wir, dass Gott uns vom Bösen erlösen und nicht in Versuchung führen solle. D.h. Gottes Herrschaft kann uns glücklich machen. Wir sind alleine nicht fähig, uns auf Gott und seine Herrschaft einzulassen, sondern Gott selber soll uns vor dem Bösen bewahren. Wir drücken dadurch die Abhängigkeit von Gott aus, so wie kleine Kinder von ihren Eltern abhängig sind.


Wir heißen Kinder Gottes und wir nennen Gott als Vater, weil wir wie kleine Kinder 100 prozentig auf Gott vertrauen dürfen und uns auf ihn verlassen können und wir von Gott allein abhängig sind.


In diesem Sinne können wir jeden Tag das Gebet des Herrn beten und dadurch die Erfahrung Gottes in uns wirksam werden lassen.

Samstag, 17. Juli 2010


Evangelium vom 16. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C: Lk 10,38-42


Predigt


Über die Stelle im heutigen Evangelium wird in verschiedenen Ebenen viel diskutiert und der Abschnitt wird auf unterschiedliche Art interpretiert. Zwei Geschwisterfrauen unterschiedlicher Art und Einstellung waren mit Jesus befreundet und hatten ihn als Gast eingeladen. Eine von ihnen, nämlich Maria saß mit Jesus zusammen, unterhielt sich mit ihm und hörte ihm zu. Marta, die andere kochte und sorgte für Jesus.


Die Worte Jesu an Marta, dass Maria das Bessere gewählt hat, wurden sogar so interpretiert, dass das zusammen sitzen und zuhören besser ist als die praktische Tätigkeit. Ich finde es schwierig aus diesem Gespräch heraus eine Bewertung von guter Kontaktpflege zu ziehen.
Manche Gelehrte haben das Verhalten von Maria und Marta auch als Beispiele für Kontemplation und für Aktion bezeichnet: Maria ist das Beispiel für Kontemplation und Marta für Aktion. Ich finde es übertrieben, aus einem Besuch und einem einfachen Gespräch zwischen Jesus und zwei Schwestern so extreme Bedeutungen zu schließen, es ist aus meiner Sicht über den Kontext und die Themen hinaus strebend.


Es ist normal für den Gast zu kochen oder manche Vorbereitungen zu treffen wenn wir einen Gast erwarten. Wenn zwei Schwestern zusammen oder ein Paar zusammen leben, ist es auch normal, dass sie entweder die Arbeiten zusammen machen, nämlich die Vorbereitung für den Gast, in diesem Fall oder eine vorher abgesprochene Arbeitseinteilung vorhanden ist und jeder weiß, wofür er oder sie zuständig ist. Im Fall von Marta und Maria gab es weder eine vorher abgesprochene Arbeitseinteilung noch eine Bereitschaft die Arbeit zusammen zu erledigen. Es wurde spontan und unkompliziert geregelt, d.h. jede machte, wie es ihr gefiel. Als Jesus eintraf, hat Marta sich um die Bewirtung und ein Essen für den Gast gekümmert. Maria aber setzte sich zu Füßen Jesu, redete mit ihm und hörte ihm zu. Das hätte auch Marta gerne getan, aber sie fühlte sich verantwortlich dem Gast ein Essen zu bereiten. Weil die beiden Frauen Jesus gut gekannt haben und mit Jesus vertraut waren, traute sich Martha berechtigt zu, vor Jesus zu sagen und zu klagen, dass Maria ihr alle Arbeiten überlässt und er sie bitten soll ihr zu helfen.


Maria ist ein ganz anderer Typ, die sich eher gerne mit Jemandem unterhält und die Freude des Besuches durch ihre Worten und Fragen zum Ausdruck bringt oder versucht das Miteinander im Gespräch zu stärken. Die Worte Jesu, dass Maria das Bessere gewählt hat bedeutet nicht, dass die Art von Maria besser ist oder zu sitzen und zu unterhalten besser ist als zu arbeiten.
Es bedeutet nur, dass Marta sich auch dazu setzen kann, weil die ganzen Vorbereitungen für Jesus nicht so wichtig sind. Jesus wäre zufrieden auch wenn kein großes Essen vorbereitet würde. Jesus wäre zufrieden, wenn er das Haus wie immer vorgefunden hätte, ohne die ganzen Vorbereitungen. Maria hat sich vielleicht wegen der Vorbereitung auf den Besuch keine großen Sorgen gemacht. Maria kann leicht einen Gast ohne große Vorbereitungen einladen, weil sie nicht an die Vorbereitungen denkt, sondern ihre Zeit nur dem Gast widmen will. Marta dagegen möchte eine gute Gastgeberin sein, sie organisiert und kümmert sich um alles und will den Gast sehr vorbereitet empfangen.


Es ist auch für uns Nachdenkens wert ob wir spontan ohne Vorbereitung Gäste empfangen können oder es uns viel Arbeit kostet, um jemanden einzuladen. Ich habe den Eindruck, dass wir oft viel zu sehr damit beschäftigt sind, Gäste formal zu empfangen, als sie an unserem Dasein teilhaben zu lassen. Jesus legt viel Wert auf eine unkomplizierte Art der Freundschaft und Unterhaltung, die keinen Stress verursacht, wie Maria es gemacht hat und lädt Marta ein alles etwas lockerer zu sehen.


Wir können auch an uns die Frage stellen. Wie steht es mit unserer Beziehung zu Jesus. Sind wir noch in der Lage uns Zeit zu nehmen die Frohbotschaft und dass, was sie uns für das heutige Leben zu sagen hat, konzentriert zu hören. Oder sind wir mit Organisation, Planung und viel Aktivität so beschäftigt, dass wir die leisen Töne Gottes vor lauter Stress nicht mehr wahrnehmen. Ich wünsche Ihnen und mir im Bezug auf Jesus und im Bezug auf das Miteinander in der Gemeinde die Erkenntnis für eine angemessene Handlungsweise, mal Maria mal Marta.


Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C: Lk 10,1-12. 17-20
Predigt


In den letzten Tagen haben wir in unseren beiden Pfarrgemeinden, Heilige Familie und Maria Immaculata Helfer und Helferinnen gesucht. Wir hatten angekündigt, dass die Helfer sich telefonisch im Pfarrbüro melden oder in der aufgehängten Liste eintragen sollten. Viele Menschen sind diesem Aufruf gefolgt und waren bereit zu helfen. Deswegen ist das Pfarrfest Heilige Familie gut gelaufen und das heutige Sommerfest Maria Immaculata ist gut vorbereitet. Ohne viele gute Menschen, die sich selbstlos für ein Projekt oder für ein Ziel einsetzen, können wir nicht viel erreichen.


Als ich im heutigen Evangelium den Aufruf Jesu gelesen habe, um Arbeiter für die Ernte zu bitten, dachte ich an unsere kleineren und größeren Projekte, Programme und Veranstaltungen in den Pfarreien. Wir brauchen auch viele Helfer und Helferinnen um unsere Aufgaben gut und gewissenhaft erfüllen zu können.


Jesus spricht zu den Jüngern vor der Aussendung: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.Bittet also den Herrn der ErnteArbeiter für seine Ernte auszusenden.“
Dieses Problem der großen Ernte und der zu wenigen Arbeiter ist nicht neu. In allen Bereichen des Soziallebens und in allen Zeiten der Kirche gab es Probleme, gute und passende Arbeiter zu bekommen. Dieses Problem können wir überwinden, wenn wir immer dran bleiben die geeigneten Arbeiter zu suchen und sie dann entsprechend einzusetzen. Was fehlt, ist oft diese ernsthafte Suche nach Arbeitern und einen vertrauensvollen Einsatz in die Ernte des Herrn. Die Ernte in der Diskussion in diesem Evangeliumsabschnitt ist nicht unsere eigene Ernte oder eigenes Verdienst, sondern die Ernte des Herrn, die wir für Gott und für unsere Mitmenschen ernten, wo auch viele andere Menschen mit uns ernten können.


Jesus sendet seine Jünger zu den Menschen und warnt vor den Problemen und Schwierigkeiten bei dieser Arbeit. Er verlangt von seinen Jüngern einen ganz selbstlosen Einsatz mit vollem Vertrauen auf Gott. Deswegen sagte Jesus: Geht!Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.Nehmt keinen Geldbeutel mit,keine Vorratstasche und keine Schuhe!


Der Gedanke, wie Schafe unter den Wölfen zu sein ist Angst machend und sehr von Unsicherheit geprägt. Diese Gefahr und diese Unsicherheit erfahren auch wir manchmal im Leben, wenn wir uns für die Wahrheit und für Gerechtigkeit einsetzen und die Botschaft des Evangeliums leben. Ohne Risiko und fleißige Arbeit erreichen wir kaum etwas.


Die Einladung ohne Geldbeutel, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe zu gehen um die Botschaft Jesu, seine Werte und sein Programm zu verkünden scheint sehr hart und anspruchsvoll. Wer bereit ist diesen Weg zu gehen bekommt alles, nicht als sein Eigentum, sondern als Gabe der Gastfreundschaft. Deswegen sagt Jesus unterwegs zu essen und zu trinken, was angeboten wird.

In allen Religionen gibt es solche Aufrufe und Lebensstile, wo die Menschen für ihre Überzeugung leben und dafür auf alles andere verzichten. Unsere Kirche ist durch die Jahrhunderte aufgebaut worden durch solche bereitwilligen, selbstlosen Menschen. Heute sind wir eingeladen diesem Ruf Jesu zu folgen und die Arbeit unserer Vorväter weiter zu machen.

Kirche ist Gemeinschaft. Wenn wir immer wieder versuchen diese Gemeinschaft im Gottesdienst und untereinander zu stärken , wird es uns gelingen als Kirche Christi die Botschaft des Evangeliums überzeugend zu verkünden und zu leben.

Sonntag, 20. Juni 2010

12. Sonntag im Jahreskreis: Für wen halten wir Jesus


Begrüßung

Im heutigen Gottesdienst möchte ich Sie einladen nachzudenken und versuchen zu erfahren, wer ist Jesus für mich; was bedeutet seine Botschaft und seine Gebote für mich, für uns.
Durch eine korrekte Antwort auf diese Fragen werden wir in die Erfahrung der Gemeinschaft Jesu hineinwachsen und überzeugt sein, dass wir für die Welt eine große Mission in uns tragen, die wir mit Gottes Hilfe erfüllen können.

Predigt zu Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C: Lk 9,18-24


Jesus stellt im heutigen Evangeliumsabschnitt an seine Jünger eine ganz normale Frage eines Führers, nämlich für wen ihn die Leute halten. Wie viele andere möchte Jesus wissen, ob die Leute ihn verstehen und akzeptieren, wie Jesus ist und wie Jesus verstanden werden will. Ob die Leute seinen Auftrag, seine Mission, seine Person verstehen und anerkennen, damit Jesus durch diese Rückmeldung weiterhin bewusst und vertraut seine Arbeit machen kann. In jeder Firma, in jedem Verein, sogar in der Familie wird diese Frage einem nicht erspart bleiben. Welchen Ruf, welche Position haben wir und was für eine Vorstellung und welches Wissen haben die Anderen über uns. Sogar in der Partnerschaft und in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern, sogar in einer Pfarrgemeinde in der Beziehung untereinander ist die Frage entscheidend, nämlich wie verstehen wir uns und wie akzeptieren wir uns gegenseitig; oder was wissen wir über die anderen und wer ist eigentlich der Andere für mich. Wer sind die Kinder für mich, wer sind die Eltern für mich, wer ist der Lebenspartner für mich, der Nachbar oder ein Gemeindemitglied.


Während der Zeit Jesu haben die meisten Leute Jesus nicht richtig und korrekt erkannt und verstanden, manche sahen in ihm Johannes der Täufer, andere dachten er sei Elija und wieder andere sahen in ihm einen Propheten. Alle diese Antworten waren falsch, weil Jesus keiner von denen war. Derjenige, der es verstanden hat, wer Jesus sei, nämlich Petrus, der ihn als Messias, Sohn Gottes bekennt, musste über das Leiden und Sterben Jesu hören und sich über das Kreuz bewusst werden, das er wegen dieser Erkenntnis und diesem Bekenntnis tragen musste. Das ist heute noch so. Erkenntnis und Bekenntnis zu Jesus bringen Leiden und manchmal auch Ausgrenzung. Wer die Wahrheit kennt und wer für die Wahrheit steht muss leiden. Das ist immer so gewesen und es wird auch so bleiben. Aber dieses Leiden ist kein Verlust sondern ein großer Beitrag für das Wohlwollen der Mitmenschen und der Welt.


Für uns alle ist es oft interessant und des Nachdenkens wert: Was denken die Leute über einen. Diese Frage ist auch für mich persönlich von Bedeutung. Z.B. wurde ich nach dem einjährigen Aufenthalt in Harlaching in einem Laden in der Nauplastrasse in englischer Sprache gefragt; wie lange ich schon in Harlaching Pfarrer bin. Ich antwortete: Ein Jahr. Dann kam die weitere Frage, wieder in englisch, „in einem Jahr haben Sie vielleicht schon ein bisschen deutsch gelernt: Die Person dachte vielleicht, dass ich ohne die deutsche Sprache sprechen zu können, die Gemeinde betreuen kann. Ähnliche Erfahrung haben Sie vielleicht selbst auch schon einmal gemacht und festgestellt, dass die Leute nicht verstehen wie wir es wollen oder wie wir sind oder wie wir meinen. Dieses Problem ist störend für unser menschliches Miteinander und das gesellschaftliche Leben.


Wir können die Frage Jesus an seine Jünger in der heutigen Zeit neu stellen. Für wen halten die Menschen heute Jesus. Hält das christliche Europa Jesus für Gottes Sohn, der Erlöser der Welt, der den Menschen den Weg zu Gott zeigen kann? Für wen halten die Leute den Papst, die Bischöfe, die Priester, die Ordensleute und die Mitglieder der Kirche, die die kirchliche Gemeinschaft für wichtig halten und mit der Kirche verbunden bleiben?


Es gibt viele Forschungen über Jesus und viele Meinungen über den Papst, die Bischöfe, Priester und Gemeindemitglieder. Wie Jesus Petrus gefragt hat, können wir uns selber fragen, für wen halten wir Jesus und seine Jünger, den Papst, die Bischöfe, die Priester, die Ordensleute, die Mitarbeiter der Kirche und unsere Mitbrüder und Mitschwestern im Glauben.


Wir wissen alle, dass die Kirche im 21. Jahrhundert keine leichte Position hat. Aber wir vergessen, dass die Kirche zu keiner Zeit eine leichte Stellung hatte. Nicht nur die Kirche, alle Menschen, die für die Wahrheit einstehen, die Wahrheit verkünden und für die Wahrheit eintreten haben keine leichte Position. Jesus aber bleibt gestern, heute und morgen derselbe. Wir Christen glauben an ihn, verkünden ihn und dürfen ihm vertrauen. Er ist unsere Hoffnung. Amen.

Montag, 14. Juni 2010


Begrüßung
Dem Gott der Barmherzigkeit und der Liebe begegnen wir in jedem Gottesdienst. Durch das Brot und den Wein, die der Leib und das Blut Christi werden, haben wir die Möglichkeit Gottes Gnade und Liebe sichtbar und greifbar zu erleben. Als Vorbereitung dazu bitten wir Gott im Kyrie.


Predigt zu Lk 7,36-50


Was wir im heutigen Evangelium erfahren war für die Pharisäer etwas Ungewöhnliches, nämlich eine Sünderin kommt in die Öffentlichkeit und zeigt ihre Liebe und Reue. Die Reaktion Jesu war auch sehr ungewöhnlich nämlich Jesus sagte der Frau „Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.“

Sünden vergeben kann nur Gott. Durch die Sündenvergebung hat Jesus seinen Anspruch als Gottessohn erhoben. Durch das öffentliche Auftreten dieser Frau bei Jesus und durch ihre Tat hat sie Jesus anerkannt und fest geglaubt, dass Jesus ihr die Sünden vergeben und helfen kann für den Beginn in ein neues Leben.


Der Grund dieser Vergebung von der Seite Jesu war die Reue und die Umkehr von der Seite der Sünderin und das Vertrauen und die Liebe die sie gegenüber Jesus gezeigt hat, die als Liebe zu Gott und Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit verstanden wurde. Die Reue der Sünder und die Bereitschaft umzukehren, sind Voraussetzung für die Vergebung der Sünden.

Früher haben die Christen mit einem großen Schuldgefühl gelebt. Deswegen wurden Taten der Buße und Reue sehr groß geachtet und viele Menschen haben als Zeichen ihrer Reinheit und als Versuch die Reinheit des Herzens zu gewinnen sogar den eigenen Leib gestraft. Die Übertreibung des Schuldgefühls und der Selbstbestrafung sind lange vorbei. Heute finden wir es eher schwierig Menschen zu finden, die ihre eigene Schuld eingestehen und bereuen. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen die Wörter Sünde, Schuld, Buße, Reue nicht gerne hören. Viele entscheiden selber, was richtig und was falsch ist, was Sünde und was Tugend sind. Eine universal geltende Norm der Ethik und der Moral wird durch religiöse, politische und kulturelle Verschiedenheiten bedroht und sogar in den Ländern mit christlichen Traditionen werden die Werte des Evangeliums relativiert. Zum Beispiel sind Euthanasie und Abtreibung in manchen Ländern durch die Entscheidung der Politiker erlaubt und deswegen ist es für viele Menschen dort keine Sünde mehr. In den Ländern, wo die Politiker solche Taten nicht erlaubt haben, sind es strafbare Taten und sie werden dadurch als Sünde und Schuld betrachtet. Wegen solchen unterschiedlichen Einstellungen und Erfahrungen unserer Menschheit bezweifeln viele Menschen, ob die Nationalführung, die Politik und politische Regierungen über den Werten des Evangeliums, über den Glauben an Gott und über den Geboten Gottes stehen und die politische Entscheidung als absolute Gültigkeit verlangt wird.

In der Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Pharisäern im heutigen Abschnitt des Evangeliums erfahren wir die Konflikte zwischen Gottes Eigenschaft und der von Gott kommenden Werte und die von menschlicher Führung und politischen Gegebenheiten her kommenden Versuche, eigene Interessen als Werte zu vermitteln. Die Mächtigeren haben immer schon versucht, Dinge in denen sie für sich Vorteile sahen, als für alle geltenden Werte und Rechte zu vermitteln. So war es auch im Fall der Sünderin. Sie war damals in den Augen der Gasgeber /Juden) keine wertvolle Person, aber für Jesus war sie durch ihre Reue eine vorbildliche Person vor Gott und den Menschen, viel wertvoller, als die, die sie anklagten und ihre eigene Schuld versteckten und die anderen als Sünder bezeichneten.

Als Kinder Gottes sollen wir nicht wie die Pharisäer handeln und tun. Jeder von uns kann Gott um Vergebung bitten und dadurch ein reines Herz bekommen. In jeder Eucharistiefeier sprechen wir die Vergebungsbitte zu Beginn des Gottesdienstes mit der Hoffnung, dass Gott uns vergibt und uns rein macht. Aber oft sind wir nicht bereit wirklich zu bereuen, von Herzen um Vergebung zu bitten und etwas in unserem Leben und unserem Lebensstil zu ändern. Wir haben im Evangelium gehört, wie friedvoll die Sünderin von Jesus weggehen konnte und wie liebevoll Jesus über sie zu den selbstgerechten Anklägern

geredet hat. Wir können aus den Worten Jesu vernehmen, dass er auch uns unsere Schuld vergibt und er uns zu seinen Kindern des Reiches Gottes zählt, wenn wir vertrauensvoll vor ihm unser Versagen und unsere Schuld bekennen.

Pfarrwallfahrt nach Weihenlinden am 12.06.2010



Begrüßung
Zum Gottesdienst in der Wallfahrtskirche Weihenlinden anlässlich unserer Wallfahrt heiße ich Sie herzlich Willkommen. Dem Ortspfarrer James Chakiath und dem Messner… sage ich ein herzliches Vergelt‘s Gott für die Möglichkeit, die hl. Messe zu feiern und für die Vorbereitungen dazu. Seit über 30 Jahren gehen wir diesen Weg nach Weihenlinden betend, hoffend und vertrauensvoll. Da möchte ich Sie zu Beginn des Gottesdienstes fragen oder zum Nachdenken bringen, um was wir auf dem Weg gebetet haben? Was brauchen wir eigentlich von Gott? Glauben wir wirklich an die Kraft des Betens und verstehen wir das Beten als zum Wesen des Menschseins dazu gehörend. Für mich persönlich gehört das Beten zu meiner inneren Haltung zu Gott, der mit mir geht, in mir bleibt und für mich als Schutz und Segen da ist. Diese Haltung bedeutet, dass ich zu Gott gehöre und ich versuche so zu sein, wie Gott sich es wünscht. Ob es mir gelingt oder nicht, ich bleibe in dieser inneren Haltung, die mir Mut und Kraft auf allen meinen Wegen schenkt. Nach unserer Wallfahrt wünsche ich ihnen allen eine innere Haltung zu Gott, die Ihr Leben glücklicher macht und Ihnen und Euch die Kraft schenkt Gottes Nähe durch Wort und Tat für andere Menschen sichtbar zu machen. Damit uns das gelingt, bitten wir um Gottes Erbarmen.

Predigt zu Lk 7, 36-50
Heute hörten wir einen Evangeliumsabschnitt mit mehreren Themen und Ereignissen, die für Jesus Anlass gaben, genau und deutlich zu verkünden, wozu er berufen und gesandt worden ist und worauf die Jünger acht geben sollen. Ich möchte an dieser Stelle nur über die Sünderin reden, die ihre Sünden bekennt und sich öffentlich entschuldigte und Jesus diese Entschuldigung groß beachtete und ihr die Vergebung und Teilnahme im Reich Gottes versprach. Als vielen bekannte Sünderin der Stadt wagte die Frau sich zu Füßen Jesu zu setzen, zu weinen und zu bereuen, die Füße Jesu zu salben und mit ihren Haaren die Füße zu trocknen. Diese Tat sehe ich als Zeichen ihrer Reue und ihrer Bereitschaft ein neues Leben anzufangen. Sie hat gehofft und darauf vertraut, dass Jesus ihr vergeben würde und ihr helfen würde als ordentlicher Mensch zu leben. Diese Tradition des Sündenbekenntnisses hat sich in der Kirche in den ersten Jahrhunderten als Sündenbekenntnis im Gottesdienst entwickelt und wurde später zur Beichte. Sogar das Bekenntnis des heiligen Augustinus wird heute noch als großartiges Zeichen seiner Ehrlichkeit und Bereitschaft für ein Leben im Geiste des Evangeliums anerkannt. Vor einigen Jahren hat Papst Johannes Paul II. in Jerusalem an der Klagemauer für die Sünden der Christen gegen die Juden, um Vergebung gebeten, diese Geste wurde als großartiges Zeichen der Heiligkeit der Kirche weltweit von allen geachtet und gewürdigt. Ich denke nicht, dass der Papst selbst gegen Juden Sünden begangen hat oder ihnen Unrecht angetan hat, wofür er um Vergebung hätte bitten müssen. Aber als Oberhaupt der Kirche fühlte er sich schuldig nicht nur für die Missetaten seiner Zeit, sondern seiner Vergangenheit und darum bat er um Vergebung. Durch diese Vergebungsbitte erfüllte er eine Theologie der Erlösungslehre, dass Jesus die Sünden und Schulden der Menschen auf sich genommen hat und für die Rettung der Menschen sein Leben hingegeben hat, obwohl er ohne Sünde und Schuld war. Der Papst als Stellvertreter Christi versuchte so zu reagieren, wie Jesus selber gelebt und getan hat. Ähnlich war die öffentliche Vergebungsbitte des jetzigen Papstes Benedikt XVI. anlässlich der Abschlussfeier des Priesterjahres für die Missetaten der Priester weltweit. Durch dieses Zeichen zeigte der Papst seine Größe als Stellvertreter Christi, der für die Schulden der Menschen sich hingegeben hat. Diese Theologie der Selbstopferung Christi gilt heute in vielen theologischen Diskussionen als veraltet und nicht modern, aber die Wahrnehmung dieser Vergebungsbitte durch Medien und verschiedene Gesellschaften zeigen deutlich, dass im Herzen der Menschen bewusst oder unbewusst die Theologie der Selbstopferung Christi für die Sünden der Menschen lebendig bleibt und daher auch der Papst als Stellvertreter Christi für die Sünden der Menschen besonders der Priester sich entschuldigen soll. Die Priester handeln in der Eucharistiefeier als Stellvertreter Christi und deswegen brauchen wir gute Priester und bei begangenen Fehlern erwarten die Betroffenen bzw. die Öffentlichkeit wenigstens eine Entschuldigung. Diese Haltung gilt nicht nur für den Papst und die Priester, sondern auch für alle gläubigen Christen, weil wir alle zum allgemeinen Priestertum berufen sind und wir alle Verkünder des Evangeliums sind besonders in einer Zeit der Kirchenaustritte und Indifferenz gegenüber der Kirche. Die Kirche hat viel für die Welt zu leisten, wozu wir Christen wertvolle Instrumente sein können.

Jesus sagte der Frau „Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.“

Wenn wir Fehler gemacht haben, können wir vertrauen, dass Gott und die Menschen uns vergeben werden. Wenn wir aus Angst und Sorge oder für egoistische Vorteile zu gewinnen, die Fehler zu rechtfertigen versuchen, verlieren wir die Chance, Gottes vergebende Liebe zu erfahren. Wer mehr liebt dem wird mehr vergeben: d.h. Vertrauen mit Gott und die Liebe Gottes ist das Entscheidende. Gott liebt uns und er vergibt uns. Wir können zu ihm kommen mit unserem Versagen, mit unseren Anliegen und unseren Bitten. Er wird uns den rechten Weg zeigen. Besonders bei einer jährlichen Wallfahrt dürfen wir mit unseren Bitten zu Gott kommen. Wir haben geschriebene Bitten von vielen Gemeindemitgliedern mitgenommen, die heute nicht mit bei der Wallfahrt sein können. Wenn wir heute unsere Fürbitten vor Gott tragen, können wir bewusst unsere persönlichen Sorgen und Anliegen in die Hände Gottes legen und dann Gott und die Menschen zu lieben versuchen und um Vergebung bitten. Gott wird uns bestimmt hören und unseren Anliegen entgegenkommen.

Sonntag, 6. Juni 2010

Fronleichnam 2010


Evangelium vom Fest Fronleichnam, Lesejahr C: Lk 9,11b-17
Predigtgedanken zur Eucharistiefeier:


Seit fast 800 Jahren feiert die katholische Kirche das Hochfest Fronleichnam, das Fest des Leibes und Blutes Christi. Im Zeichen von Brot und Wein erleben wir die Gegenwart Jesu Christi. Das Brot (und den Wein), die wir bei jeder Eucharistiefeier empfangen, wollen wir heute durch die Straßen tragen und bezeugen, dass wir an die Gegenwart Gottes unter uns Menschen glauben und die Gegenwart Gottes auf Erden sichtbar machen.


Im heutigen Evangelium haben wir den Bericht über die Brotvermehrung gehört. Jesus hat Brot und Fische vermehrt und die hungernden Menschen gesättigt. Den Hunger der Menschen zu sättigen war ein wichtiges Anliegen Jesu. Die Armen, die Kranken, die Leidenden, die Ausgestoßenen die Unterdrückten waren bei Jesus immer willkommen und haben bei ihm Trost gefunden. Jesus war Hoffnung für die Hoffnungslosen und Freude für die Traurigen. Jesus hat durch sein Leben und durch seine Botschaft deutlich gemacht, wie Gott zu den Menschen steht und wie die Menschen Gott unter ihnen erfahren dürfen. Die Sättigung von hunderten Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen war der Anlass für Jesus jedem klar zu machen, dass man sich bei allen Arten von Hunger zu ihm wenden kann und zu Gott kommen darf. Gott hilft denen, die sich ihm zu wenden, weil Gott bei uns lebendig bleibt und in uns präsent sein will.

Im Namen Gottes sind wir versammelt. Im Namen Gottes machen wir die Fronleichnamsprozession. Mit Gott als Brot des Lebens und Jesus als sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes unter uns können wir hoffen und vertrauen, dass bei unserem Hunger nach Brot, Hunger nach Liebe, Hunger nach Sinn, Hunger nach Leben, Hunger nach Hoffnung die Erfahrung Gottes in der Feier der Eucharistie uns sättigen wird.


Wir lesen im Evangelium, dass Jesus Hungernden Brot geben ließ und er mit Hungernden Mitleid hatte. Diese Verteilung von Brot an die Hungernden und dieses Mitleid Gottes für Hungernde, die mit Jesus öffentlich verkündet wurde, bleiben seither sehr aktuell und die Kirche versucht diese Gotteseigenschaft in der Welt spürbar zu machen. Unsere Caritas und unser Interesse an der ganzen Welt zeigen Versuche diesen Auftrag zu erfüllen und Jesus durch seine Kirche nachzuahmen. Gleichzeitig wollen wir bekennen, dass wir die Hungernden vor Gott sind. Wir hungern nach Gott. Wir hungern nach Gottes Schutz. Wir hungern nach Vielem, was die Welt und die weltlichen Gaben uns nicht geben können. Wir sehnen uns nach einer Erfüllung im Leben, die keine weltliche Gabe schenken kann. Aber wir können aus den Worten Jesu in der Bibel hoffen und wissen, dass Jesus uns diesen Hunger (sättigen)stillen kann. Wenn wir den Hunger nach Gott durch die Erfahrung seiner schützenden Hände (gesättigt)gestillt erleben, werden auch alle Arten Hunger nach Sinn oder Liebe gesättigt. Weil Gott durch die Menschen wirkt, ist unser Tun für das Wohlwollen unserer Mitmenschen, für die Erfahrung Gottes unter uns entscheidend. Das Sprichwort, Gott hat keine Hände als unsere „ wird auch in der Erfahrung Gottes entscheidend. Wenn wir versuchen Gott durch die Feier der Eucharistie zu erfahren, können wir gleichzeitig wahrnehmen, dass wir auch durch die Taten der Nächstenliebe denselben Gott erfahren können. Gottes Erfahrung durch die heiligen Zeichen im Gotteshaus und durch unsere göttlichen Taten draußen im Alltag sind zwei Seiten derselben Münze, die wir ernst nehmen wollen, um dadurch echte Kinder Gottes zu bleiben.


Das Hochfest Fronleichnam ermöglicht uns diese Erfahrung Gottes durch Brot, durch Wort und Tat umzusetzen und zu verkünden, damit wir wie Jesus damals lebendige Zeugen der Gegenwart Gottes auf unserer Welt sein können.