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Sonntag, 14. Juli 2019

15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Predigt
Lk 10.25-37

Der erste Satz des heutigen Evangeliums zeigt das schlechte Verhalten eines damaligen Menschen gegenüber Jesus als Fallbeispiel.  Ein einflussreicher Mann stellt Jesus eine Frage, um ihn auf die Probe zu stellen.

Vielleicht haben einige von uns auch ähnliche Erfahrungen im Leben gemacht: die Menschen stellen einem Fragen, nicht um etwas wissen zu wollen, sondern um uns auf die Probe zu stellen. Solche Menschen erwarten von uns eine falsche Antwort, um uns niederdrücken zu wollen.

Im Judentum sind die Gesetzeslehrer die Fachleute über die Thora und nur sie durften für die Thora eine offizielle Auslegung geben und sie sind fast wie das Lehramt und die Glaubenskongregation des Judentums. Diese Schriftgelehrten haben über den Glauben, Moral, religiöse Tradition eine ausgelegte Lehre für das Volk gegeben. 

Jesus war kein Gesetzeslehrer und daher konnten alle Meinungen von Jesus widersprochen werden. Als Jesus lehrte und das Volk auf ihn zukam, um ihn zu hören und von ihm geholfen zu werden, das hat dem Gesetzeslehrer nicht gefallen. 

Deswegen stellt dieser Gesetzeslehrer die Frage:
 „Was soll ich tun um das ewige Leben zu erben?

Mit der Gegenfrage Jesu: „Was steht im Gesetz geschrieben, was liest du?  meinte Jesus, dass er selber als Gesetzeslehrer es wissen müsste und nicht fragen sollte.

Mich fasziniert die Art und Weise wie Jesus mit solchen unehrlichen Menschen umgeht und wie genau und klug Jesus solchen Menschen antwortet. Falls Jesus etwas Neues unterrichtet hätte, hätte dieser Gesetzeslehrer es nicht akzeptiert und aufgrund des Gesetzes hätte er Jesus widersprochen. Aber als Jesu ihm sagte, das zu befolgen, was im Gesetz steht, war es ihm nicht genug.  Er denkt, er könne Jesus ausfragen und etwas finden, um ihm eine Falle zu stellen. 

Zu der Frage, wer ist mein Nächster, erzählt Jesus ein Gleichnis, wie er es immer tat. Im Gleichnis des guten Samariters zeigt Jesus, dass die Menschen die in Not sind undunsere Hilfe brauchen, unsere Nächsten sind. 

Das war doch eine neue Auslegung der Thora der Juden und eine neue Lehre für die Zuhörer, weil nach der Auslegung vom Gesetzeslehrer die Verwandten, Freunde und Nachbarn die Nächsten für die Juden waren.  

Außerdem ist zu bemerken, dass die Menschen die in der jüdischen Gesellschaft hoch angesehen waren, die Priester und Leviten, die notleidenden Menschen ignorierten.  D.h. die Menschen, die sich für sehr wichtig hielten und in der Gesellschaft Anerkennung hatten, waren nach dem Urteil dieses Gesetzeslehrers keine guten Menschen. 
Wie im letzten Satz des Evangeliums der Gesetzeslehrer antwortete:
“Der, barmherzig an ihm gehandelt hat. 
Das war auch die Meinung Jesu. Deswegen sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle du genauso!”

D.h. In dem Moment bekennt der Gesetzeslehrer nicht die traditionelle Auslegung des Gesetzes, die die Schriftgelehrten gaben, sondern er gibt die neue Auslegung, die Jesus geben wollte. Jesus veranlasst seine Gegner zu sagen, was Jesus selber sagen und lehren wollte. Diese Art von Jesus und wie es Jesus gelingt, so mit Menschen umzugehen und die Menschen zu bewegen seine Lehre von dem Mund seiner Gegner zu verkündigen, was Jesus selber verkünden wollte, fasziniert mich. 

Wie ich oft in meinen Predigten geäußert habe, ist in allen Gleichnissen Jesus, er selber der Hauptdarsteller.  D.h. in diesem Gleichnis steht der gute Samariter für Jesus. Jesus selber ist derjenige, der den Menschen in ihrer Not helfen will. Das Bekenntnis des Gesetzeslehrers, dass der Nächste derjenige ist, der barmherzig an ihm gehandelt hat, ist eigentlich ein Bekenntnis für Jesus. 

Nämlich das Jesus, seine Lehre und seine Person das Vorbild seien und die Auslegung von Jesus die richtige Auslegung der Thora sei.  Obwohl der Gesetzeslehrer es nicht ganz bewusst gesagt hat, sind seine Worte eine Bestätigung von ihm für Jesus und seine Auslegung.

Von diesem Gleichnis vom guten Samariter möchte ich zwei bedeutende Themen aufgreifen und sie darauf aufmerksam machen. Erstens: Jesus sagt uns, wer unser Nächster sei und wer unser Vorbild sein kann für unsere Nächstenliebe, nämlich der gute Samariter oder Jesus selber.

Zweitens, nicht nur, dass die Themen, Ereignisse, die Lehre und Botschaft Jesus uns bewegen und beeinflussen, sondern auch die Art und Weise wie Jesus mit Menschen umgeht, wie er mit schwierigen Fragen konfrontiert, wie er mit ehrlichen und unehrlichen Menschen umgeht und wie Jesus durch seine Echtheit und Klugheit alle Situationen seines Lebens gemeistert hat. 

Mittwoch, 3. Juli 2019

13. Sontag im Jahreskreis 2019, Lesejahr C

Predigt
LK 9:51-62
Zwei wichtige Themen des christlichen Glaubens und des christlichen Lebens sind mir im heutigen Evangelium aufgefallen. Das erste Thema ist, die Situation von Jesus selbst, worüber wir uns oft nicht bewusst sind. Zweitens über die Einstellung unseres christlichen Lebens oder mit anderen Worten, über die Nachfolge Jesu.

Über das Leben und die Situation Jesu sagt Jesus selber folgendes: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“. 

Es bedeutet, dass die Situation von Tieren und Vögeln auf der Welt besser und würdiger ist, als die Situation in der Jesus lebte und wirkte. An einer anderen Stelle sagte Jesus: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Beide Aussagen Jesu möchte ich zusammenlesen und verstehen. Ich habe den Eindruck, dass es den Menschen in manchen Gegenden der Welt schlechter geht als den Tieren und Vögeln in anderen Gegenden der Welt. Wenn Jesus sich mit Menschen denen es schlecht geht, identifiziert und er selber große Unsicherheiten erfahren musste, erkennen wir in seinem Leben aber auch, das er mit großem Gottvertrauen gelebt hat. Dieses Vertrauen mit Gott wünscht er auch von seinen Jüngern.

Das zweite Thema ist über die Nachfolge Jesu. Die Nachfolge bedeutet nicht nur die besonderen Berufungen, wie von Priestern und Ordensleuten, sondern das Leben und Wirken aller Menschen als Christen. Den Menschen im heutigen Evangelium, die Jesus nachfolgen wollten, aber zuerst ihre Verantwortungen erfüllen wollten, sagt Jesus: 
„Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurück blickt,
taugt für das Reich Gottes.“
Es bedeutet. Die Nachfolge soll jeden Tag mit der alltäglichen Verantwortung parallel geschehen, nicht als eine Aufgabe nach der Erfüllung aller anderen Aufgaben und Verpflichtungen. Es heißt, wir als Christen, die in der Nachfolge Jesu leben, sollen zu jeder Zeit in allen Verantwortungen und Verpflichtungen denken und handeln, wie Jesus es getan hat. 

Lass uns Jesus und sein Geist erleuchten, damit wir Ihn und seine Botschaft verkünden und nach seinem Vorbild leben können.

Montag, 24. Juni 2019

Fronleichnam 2019


Fronleichnam 2019-06-22
Begrüßung

Im Festgottesdienst an Fronleichnam, begrüße ich Sie sehr herzlich. Besonders begrüße ich die Vereinsmitglieder und die Fahnenabordnungen. Am Fronleichnamsfest bekennen und verkünden wir, dass Gott unter uns gegenwärtig ist. Gott ist uns nahe, er ist spürbar und fassbar. Er erscheint uns in Formen, Bilder oder Dingen, die uns bekannt sind.

Gott den Vater, Jesus Christus, seine Offenbarung unter uns als Mensch und den Heiligen Geist, die Kraft des allmächtigen Gottes, die wir jeden Tag brauchen, die Dreifaltigkeit, grüßen wir in unserer Mitte und bitten ihn um seine Gnade und Liebe, um Verzeihung und Vergebung.

Predigt
Nach dem Einsetzungsbericht in der Eucharistiefeier sagt der Priester oder der Diakon: „Geheimnis des Glaubens“. Lateinisch heißt es: „Mysterium fidei.“ Mit dem Titel Mysterium fidei hat Papst Paul VI. 1965 eine Enzyklika geschrieben und uns eingeladen dieses Mysterium der Eucharistie tiefer zu erfahren. Die Antwort der Gemeinde zu dem Bekenntnis deutet darauf hin, was für ein Geheimnis wir in der Eucharistie erfahren werden. „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit." (Vgl. 1 Kor 11,26) Diese Antwort der Gemeinde ist ein Zitat aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther, indem der Apostel Paulus auf die Bedeutung der Feier der Eucharistie hinweist.

Die Eucharistie ist ein Geheimnis. Es ist ein Geheimnis über den Tod und die Auferstehung Jesu, ein Geheimnis über das Heilswerk Gottes und ein Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen. Um dieses Geheimnis tiefer erfahren zu können hat Jesus mehrere Zeichen gegeben. Ein wichtiges Zeichen dieses Geheimnisses Gottes war das Brot, das Jesus bei der Wundertat der Brotvermehrung zeigte und wie die Erfahrung des Geheimnisses Gottes, viele Menschen glücklich machte. Darüber hörten wir im Evangelium.  

Die erste Reaktion der Menschen über die Vermehrung von fünf Broten und zwei Fischen in hunderten Körben ist die Bewunderung über Jesus und seine Wundertat. Viele Menschen haben sich über die großen Taten Gottes gewundert. Das gleiche geschieht auch in der Eucharistiefeier. Nach jeder würdigen Eucharistiefeier und dem Empfang des Leibes Christi bei der Kommunion dürfen wir uns über die besondere Gotteserfahrung und Jesu Nähe erfreuen und ihn bewundern, mit gemeinsamem Beten und Singen.

Durch die Brotvermehrung wurden tausende hungernde Menschen wenigstens für einen Abend gesättigt. Die Botschaft der Eucharistie liegt auch darin, dass es ein großes Anliegen Jesu sei und dadurch der Wille Gottes, dass wir uns gegen alle Arten von Hunger und Durst in der Welt einsetzen sollten. Durch die Brotvermehrung haben tausende Menschen durch das gemeinsame Essen eine große Gemeinschaft erlebt. Die Eucharistiefeier ist für uns heute mit und ohne anschließendem Essen oder Treffen auch ein wichtiger Anlass, Gemeinschaft zu erleben und zu stärken. Die Menschen, die Brot aßen und die Wundertaten Jesu erlebten, setzten ihre Hoffnung auf Jesus. Durch die Teilnahme in der Eucharistie und dem Empfang der Kommunion setzen auch wir unsere Hoffnung auf Jesus und wir sind überzeugt, dass wir bei Jesus alle unsere Sorgen ablegen können, auf ihn hoffen können und wir mit Jesus Christus Glück und Freude erleben dürfen.

Diese Erfahrung ist für uns heute ein Geheimnis des Glaubens. Es ist das Geheimnis der Eucharistie, ein Geheimnis der Botschaft der Wundertaten, des Todes und der Auferstehung Jesus, der als Gottes Offenbarung auf die Welt kam. 

Aber die Geschichte zeigt, dass in wenigen Jahren die Christen fast den Sinn dieses Glaubens verloren und viele Menschen den Geist der Eucharistie verlassen haben. Da ein gemeinsames Essen und die Erfahrung der Gemeinschaft am Tisch in der Eucharistiefeier wichtig war, nicht nur ein symbolisches Essen der Hostie, sondern anschließend ein gemeinsames Essen als Verwirklichung der Feier im Gottesdienst, brachten die Menschen Essen und Getränke zum Gottesdienst, aber jeder hat sein Essen genossen, weil das Essen von Reichen und Armen nicht den gleichen Standard hatte und es für die Menschen verschiedener Gruppen und Kreise gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, nicht einfach war. Im Namen Jesu Christi sind sie zusammengekommen, aber sie wollten untereinander nichts miteinander zu tun haben. Deswegen fragt 

Paulus: „Was ihr bei eurer Zusammenkunft tut, ist keine Feier des Herrenmahls mehr. Denn jeder verzehrt sogleich seine eigenen Speisen, dann hungert der eine, während der andere schon betrunken ist.“ 

Die gemeinsame Eucharistiefeier, die wir im Gedächtnis des Leidens und Sterbens und der Auferstehung Jesu tun und die an die letzte Abendmahlfeier Jesu erinnert, befähigt uns, das Heilswerk Gottes auf der Welt zu erfahren und die Gegenwart Gottes im Zeichen von Brot und Wein zu erfahren. Lasst uns die würdige Feier und die anschließende Prozession zu dieser Erfahrung Gottes führen. 

Dreifaltigkeitssonntag 2019, Lesejahr C


Dreifaltigkeitssonntag
Predigt
Im Namen des dreifaltigen Gottes beginnen wir jeden Gottesdienst. Im Namen der Dreifaltigkeit Gottes taufen wir ein neues Mitglied der Kirche und nehmen die Getauften in die Kirche auf. Gott erfahren wir als Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit. Hinweise darauf in der Bibel gibt es genug, ein Teil davon hörten wir im heutigen Evangelium. Jesus redet über den Geist der Wahrheit, den er senden wird und über die Gemeinschaft und enge Beziehung zwischen dem Vater und ihm. Er sagt, dass der Geist der Wahrheit uns über das Geheimnis der engen und innigen Beziehung zwischen Jesus und seinem Vater verkünden wird und wir mit der Hilfe dieses Geistes eine ähnliche enge Beziehung im Alltag erleben können.

Wenn wir die zahlreichen Stellen der Bibel über Gott und sein Wesen betrachten, stellen wir fest, dass Gott als Beziehung bezeichnet wird und diese Beziehung in der Form einer Dreieinigkeit, nämlich als eine Beziehung zwischen Vater, Sohn und Geist dargestellt ist. In manchen Darstellungen ist der Vater als älterer Herr abgebildet, der Sohn als ein junger Mann und der Geist als eine Frau.

Diese Darstellung Gottes in Dreieinigkeit ist nicht nur im Christentum, sondern auch in einigen anderen Religionen üblich. Man glaubt, dass die Menschen zu dieser Darstellung Gottes kamen, aufgrund der Offenbarung Gottes. Aber ich denke, Gott offenbart sich durch verschiedene alltägliche Ereignisse und Aktivitäten. Daher glaube ich, dass diese Dreierbeziehung eher entstanden ist, aufgrund einer Dreierbeziehung im alltäglichem Leben, nämlich aufgrund der Beziehung in einer Familie zwischen Vater, Mutter und den Kindern. Die Familie könnte man als Abbild der Dreieinigkeit Gottes verstehen oder die Erfahrung der Dreieinigkeit Gottes könnte als eine Erfahrung und Überzeugung und dadurch als eine Offenbarung aus der alltäglichen Erfahrung einer Familie dargestellt und verstanden werden. 

Eigentlich verkündet das Hochfest der Dreifaltigkeit nichts Neues. Was wir an Weihnachten, Ostern und Pfingsten bedacht und gefeiert haben, wird am Sonntag nach Pfingsten seit tausend Jahren als Fest der Dreifaltigkeit zusammengefasst und gefeiert. Das Fest der Dreifaltigkeit wurde erst im dreizehnten Jahrhundert offiziell eingeführt. Sogar das Fest Fronleichnam verkündet nichts Neues. Was wir am Gründonnerstag gedenken und feiern, wird am Donnerstag nach dem Fest der Dreifaltigkeit noch einmal groß zelebriert. Mit den Hochfesten der Dreifaltigkeit und Fronleichnam bezeugen wir unseren christlichen Glauben und laden ein, die Beziehung und die Liebe zwischen Gott Vater, Sohn und Geist im Alltag zu erspüren und diese Erfahrungen in unseren menschlichen Beziehungen und in der Liebe zu verwirklichen.

Möge uns das heutige Fest helfen, den dreieinigen Gott als personale Gegenwart zu erkennen;ihn in unsere Beziehungen im Alltag einzubeziehen und sich froh u. treu zu ihm zu bekennen.

Pfingsten 2019

Pfingsten 2019-06-22

Das Erntedankfest der Juden ist für die Christen das Fest vom Kommen des Heiligen Geistes, das Pfingstfest.

Jesus nennt diesen Geist als Beistand und der Geist der Wahrheit. Seine Gaben sind Frieden und Freude. Äußere Zeichen des Geistes waren damals für die Apostel, wie wir es in der ersten Lesung hören, Sturm und Feuer. Das hebräische Wort Ruah bedeutet Wind oder Atem, mit der Bedeutung Lebenskraft.

Wahrheit, Frieden und Freude sind die Merkmale des Wirkens des Geistes. Dieser Geist will uns Menschen Kraft und Mut schenken, um verschiedene Situationen des Lebens verkraften zu können und nötige Entscheidungen zu treffen. 

In diesem Sinne brauchen wir heute das Wehen und Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche und in der Welt, in allen Ebenen sehr. Als gottgläubige Menschen können wir im Gottesdienst dafür beten und versuchen, im Alltag das Wirken des Geistes zu erspüren und durch Wort und Tat die Wirkung des Geistes zu vermitteln.

Im Evangelium hörten wir, dass Jesus die Apostel anhauchte und sagte „Empfangt den Heiligen Geist. Es bedeutet, dass sie nicht nur nach der Himmelfahrt Jesu am Pfingsttag den hl. Geist empfangen haben, sondern, dass die Apostel und andere Menschen auch mehrmals früher die Möglichkeit hatten, den Geist Gottes zu empfangen und von dem Wirken des Geistes bewegt wurden und profitieren konnten.  Aber die Apostel Jesu wurden vom Heiligen Geist bewusst erst am Pfingsttag erfüllt und bekamen von der Kraft des Geistes den Mut, als sie im Sturm und mit Feuerzungen den Geist empfingen. 

Es gibt mehrere verschiedene Anlässe in der Bibel, die vom Wirken des Geistes berichten. Ein wichtiger Text darüber lesen wir im Buch Genesis Kap. 1, Vers 2, er lautet: „der Geist schwebte über dem Wasser. Diese Bemerkung der Kraft des Geistes ist sogar vor der Schöpfung des Lichtes und der Scheidung vom Himmel von der Erde. Es bedeutet: der Geist Gottes ist der Ursprung von allem und dieser Geist wirkt überall. Die Kraft des Geistes erleben wir in der Vielfalt der Schöpfung und der Entfaltung von Millionen unterschiedlichen Schöpfungsarten. Es bedeutet:  die Kraft dieses Geistes ist offen für alle die bereit sind, ihn zu empfangen und für alle die bereit sind vom Geist Gottes bewegt zu werden. 

Ein zweiter Text ist aus dem Lukasevangelium, in dem von der Taufe Jesu berichtet wird. Dort steht: „Der Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab“.  

Wie Gott selber, ist auch der Hl. Geist überall gegenwärtig, er ist Beistand für alle Menschen, er wirkt überall durch unterschiedliche Zeichen wie Feuer, Wind, Wasser, Sturm oder in Gestalt einer Taube, durch Menschen und eigene Gedanken. Was wir brauchen ist die Offenheit für den Geist um ihn erkennen zu können, die Aufmerksamkeit ihn zu bemerken, in dem Moment, wo er beginnt zu wirken, die Liebe für Gott und seinen Geist, wenn er in verschiedenen Formen und Arten zu uns kommen will, die Gelassenheit ihn ruhig zu empfangen und wenn wir unsicher sind, ob es der Geist Gottes sei oder unsere Phantasie, die Zuversicht und die Hoffnung dem Geist Gottes zu vertrauen, in der Hoffnung, dass wir in den Händen Gottes sicher sind.  

Zum Pfingstfest und in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten wünsche ich uns die Erfahrung des Heiligen Geistes in unserem Alltag.



7 Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C


Predigt. Joh 17,20-26

In der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und dem Kommen des Heiligen Geistes am Pfingsttag blieben die Apostel zusammen in Jerusalem und verbrachten diese Zeit im Gebet. Wie wir im Evangelium am letzten Donnerstag zum Fest Christi Himmelfahrt hörten, „„Sie kehrten in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“

An diesen Tagen war auch Maria, die Mutter Jesu bei den Aposteln, gemeinsam waren sie eine betende, hoffende und glaubende Gemeinschaft. Sie warteten auf den Beistand, den Jesus versprochen hat. Mit anderen Worten blieben sie zusammen im Gebet und warteten, bis sie Mut und Kraft bekamen zu verkünden, was sie von Jesus gehört hatten und wie sie Jesus erlebt haben. 

Für uns heute als Christen ist auch die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten eine Zeit des Gebetes und des Wartens auf die Kraft und den Mut von Gott, um die Gemeinschaft zu stärken und den Glauben zu verkünden. In dieser Zeit des Wartens und Betens denken wir in der Liturgie durch die Worte des Evangeliums an das Gebet Jesu, in dem er den Vater bittet für die Einheit in seiner Gemeinschaft des Jünger-kreises Jesu. Die Einheit untereinander wie Jesus und der Vater eins sind und die Erfahrung der Herrlichkeit, die Jesus bei Gott erlebt, wünscht Jesus auch für seine Jünger. 

Jesus wusste, dass seine Jünger verschieden sind und immer wieder Missverständnisse und eigene Interessen eine Rolle spielen können und deswegen bittet er um die Einheit. Die Einheit hat die Kirche immer gebraucht und in der Geschichte der Kirche hat immer wieder die Einheit gefehlt und dadurch viele Spaltungen und Unruhen kamen, bis zum Krieg, z.B. der dreißigjährige Krieg, obwohl weltliche Mächte da eine Rolle gespielt haben. 

Die Spaltungen und Kriege in der Geschichte der Kirche im Namen des Glaubens zeigen uns, dass die Einheit, die Jesus von den Christen gewünscht hat, noch nicht erreicht wurde.  Heute noch erleben wir, dass in der Kirche in allen Ebenen Meinungsunterschiede und Verschiedenheiten im Denken, Unruhen und Konflikte verursachen. Manchmal reagieren die Menschen unvernünftig und dadurch vertiefen sich die Konflikte. Jesus redet über die Liebe als Voraussetzung für die Einheit, eine Liebe, wie er mit seinem Vater hat und wie er seine Jünger geliebt hat, kann die Einheit in die Gemeinschaft bringen. Wenn Liebe fehlt, fehlt auch die Einheit.

Nicht nur die Kirche und die Christen sehnen sich nach Einheit und Dialog, sondern die ganze Welt braucht heute mehr Verständnis und Einheit. Nach der Europawahl und Wahlen in verschiedenen Ländern erleben wir, dass wir Menschen mit Mut und Charisma brauchen, die eine Einheit einfordern und die sich für die Einheit der Menschen unter verschiedenen Völkern einsetzen.

Liebe, Einheit, Herrlichkeit und Freude sind Erfahrungen, die Jesus für uns wünscht und die wir durch die Kraft des hl. Geistes empfangen können. In diesen Tagen der Vorbereitung auf das Pfingstfest, möge uns Gott helfen mehr und mehr die Liebe Gottes zu erfahren und in der Einheit zu wachsen.

Christi Himmelfahrt, 2019 Lesejahr C

Predigt
Unterschiedliche Arten von Verabschiedungen kennen wir und verschiedene Verabschiedungen hat sicher Jeder von uns selber schon erlebt. Die Verabschiedung von einem lieben Menschen durch den Tod ist am schlimmsten. Man wird traurig beim Tod eines lieben Menschen. Viele Menschen brauchen Wochen, Monate oder sogar Jahre, um sich von dem Gefühl des Verlustes durch den Tod eines lieben Menschen wieder zu erholen.

Die Jünger Jesu haben diese Art der Verabschiedung für immer, zwei Mal erlebt: einmal beim Tod Jesu und das zweite Mal bei seiner Himmelfahrt 40 Tage nach der Auferstehung.

Nach dem Tod Jesu waren die Jünger sehr erschrocken und ängstlich und wussten nicht, was sie tun sollten. Aus Angst vor den Juden blieben sie hinter verschlossenen Türen.  Die Nachricht über die Auferstehung und die Erscheinung des Auferstandenen hat ihnen dann wieder eine gewisse Hoffnung und neuen Mut zum Leben geschenkt.

Aber bei der zweiten Verabschiedung war die Stimmung ganz anders, wie wir eben im Evangelium hörten:

„Sie kehrten in großer Freude nach Jerusalem zurück.
Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“
Wir könnten es als ungewöhnlich bezeichnen, dass sich die Jünger bei der Himmelfahrt Jesu sehr freuten und im Gotteshaus blieben und Gott priesen. Aber der Grund dafür war die Überzeugung der Jünger, dass Jesus doch unter seinen Jüngern bleibt und dass er bis zum Ende der Welt bei seinen Jüngern bleiben würde.

Obwohl sie Jesus mit ihren Augen nicht sehen konnten, haben sie ihn mit ihren inneren Augen gesehen, obwohl sie ihn mit ihren Ohren nicht hörten, konnten sie seine Stimme im Herzen hören, obwohl sie ihn nicht berühren konnten, fühlten sie sich von Jesus berührt. 

Diese Abschiedserfahrung der Jünger bei der Himmelfahrt Christi, dass Jesu Geist unter ihnen geblieben ist, ist der Grund der großen Freude und der Grund, um Gott zu preisen. Die Erfahrung der unsichtbaren Gegenwart Jesu gleich nach der Himmelfahrt Christi war keine einmalige Erfahrung der Jünger, sondern eine Erfahrung der Christen aller Zeiten. Auch heute glauben und erfahren wir, dass Jesus lebt und wirkt unter uns.

Das Hochfest Christi Himmelfahrt erinnert uns, dass Jesus immer unter uns ist. Die Freude der Jünger bei der Himmelfahrt Jesu erinnert uns daran, dass wir als Christen freudig sein können und Gott für seine großen Taten für uns preisen können, egal welche unmutigen Erfahrungen und schwierige Situationen wir im Leben machen müssen.  

Den Heiligen Geist, den Jesus auf seine Jünger gesandt hat, können wir auch immer wieder erneut empfangen, um die Freude des Christseins nicht zu verlieren und um die Freude des Glaubens verkünden zu können.  Die Botschaft der Himmelfahrt Christi lautet nicht, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist, sondern sie lautet: Jesus lebt und wirkt unter uns und der Geist Gottes stärkt uns. In Gemeinschaft mit Jesus und mit der Kraft des Heiligen Geistes können wir als Christen Gott preisen, wie die Apostel bei der Himmelfahrt Christi.