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Samstag, 30. November 2013

Missionskongregation vom Heiligsten Sakrament (M.C.B.S.) Missionary Congregation of the Blessed Sacrament


Die Tätigkeit und die Mission meiner Ordensgemeinschaft  (M.C.B.S.) 
 
 Einführung 

Als ich vor fünf Jahren als Pfarrer nach München-Harlaching kam, haben mehrere Gemeindemitglieder mich gebeten, einen Vortrag über meine Gemeinschaft, ihre Tätigkeit und ihrer Spiritualität zu halten und über mich, über Indien und über meine Gemeinschaft zu erzählen. Obwohl ich mich über diese wiederholte Anfrage und das Interesse sehr gefreut hatte, war es mir damals nicht möglich, mir dazu Zeit zu nehmen und Gedanken darüber zu machen, weil ich meine erste Priorität in der Betreuung unserer beiden Pfarreien gesehen habe und gleichzeitig für das gegenseitige Kennenlernen Zeit lassen wollte. Später kam die Zusammenführung unserer beiden Pfarreien in einen Pfarrverband dazu, was auch viel Zeit und Vorbereitung in Anspruch nahm. Inzwischen kennen viele Gemeindemitglieder mich und einige meiner Ordensmitbrüder ziemlich gut. Mehrere Personen aus der Gemeinde waren mit mir und mit anderen Gruppen oder sogar selbständig in Indien und viele Gemeindemitglieder zeigten Interesse an dem großen Land Indien und unserer Ordensgemeinschaft und holten sich Informationen und Wissen über Indien und die Gemeinschaft in Büchern oder im Internet. Mit dem heutigen Abend können sie dieses Wissen vertiefen und vielleicht noch besser einordnen.

Die Missionskongregation vom Heiligsten Sakrament gehört zu den vier einheimischen Kongregationen von Thomaschristen des Syro-Malabarischen Ritus der katholischen Kirche. Die meisten Christen in Kerala haben ihren Glauben vom Apostel Thomas empfangen; sie gelten als traditionelle Christen und zu den indischen Hochkasten der Brahmanen gehörige Christen. 

I. Geschichte

Die Missionskongregation vom Heiligsten Sakrament wurde am 7. Mai 1933 von Mathew Alakkalam und Joseph Paredom, zwei Priestern der Diözese Changanacherry im Bundesstaat Kerala in Südindien, unter dem Patronat des Bischofs James Kalassery gegründet. P. Joseph Paredom war der erste Prior (Vikar-Superior, 1933 bis 1953, mit einer Unterbrechung von drei Jahren, von November 1941 – Juni 1945 war Cyriac Mannanal der Prior) und der erste Prior-General  (1953-1959). Die beiden Gründungspriester hatten eine Vision vom Ordensleben und ihrer Tätigkeit. Heute, 80 Jahre nach der Gründung, können wir zurückschauen, ob ihr Traum einigermaßen in Erfüllung ging.

Der Name „Missionskongregation vom Heiligsten Sakrament“ kommt aus dem Wunsch der Gründer, ihre Priester als Missionare in alle Welt zu schicken und eine eucharistische Spiritualität zu leben und zu fördern. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts hat die katholische Kirche eine besondere eucharistische Frömmigkeit gelebt und verbreitet. Der internationale eucharistische Weltkongress, der 1881 durch Papst Leo XIII. (1878-1903) eingeführt wurde, hat inzwischen 50mal stattgefunden. Durch Verbreitung der eucharistischen Frömmigkeit der späteren Päpste: Pius X. (1903-1914), Benedikt XV. (1914-1922) und Pius XI. (1922-1939) konnte weltweit das Interesse geweckt werden, mehr die Eucharistie zu verehren und zentriert zu leben. Bischof Thomas Kuryalassery (1911-1925), der Vorgänger des Ortsbischofs während der Zeit der Gründung,  hatte bereits für Frauen 1908 einen Orden mit dem Namen „Schwestern der Anbetung des Heiligsten Sakraments“ geschaffen, wonach unser Gründer P. Mathew Alakkalam schon 1914 eine eucharistische Priestergemeinschaft berief mit dem Ziel, eine Ordensgemeinschaft zu gründen, die er aber aus finanziellen Schwierigkeiten später wieder aufgeben musste. 17 Jahre danach, 1933, gelang ihm die Verwirklichung, gemeinsam mit P. Joseph Paredom die Missionskongregation des heiligsten Sakramentes zu gründen. Der englische Titel lautet „Missionary Congregation of the Blessed Sacrament“,  die  Ordensbezeichnung wird abgekürzt M.C.B.S.

Die Gründer

P. Mathew Alakkalam war ein sehr bekannter Exerzitien-Prediger, Verleger, Lehrer, Buchautor und Fachmann für die Sprachen Syrisch und Latein, er hat sogar ein Buch in lateinischer Sprache veröffentlicht. Er lebte sehr einfach, ging viele Kilometer zu Fuß für seelsorgliche Tätigkeit und teilte mit den Armen immer, wenn er etwas bekam, oder auch die Lebensmittel, die er zuhause für den eigenen Bedarf aufbewahrte.

Als P. Mathew im Priesterseminar als Dozent für syrische Sprache tätig war, schrieb er zusammen mit seinem Kollegen Andreas Kalappurackal eine Ordensregel und baute für die Ordensgründung auch schon ein Gebäude.  Aus verschiedenen Gründen gelang ihm aber nicht, die Ordensgründung zu verwirklichen. In der Zeit zwischen 1925 und 1927 bat er dann den Bischof um Erlaubnis, in eine bestehende Ordensgemeinschaft einzutreten, was ihm aber verwehrt wurde.

Der Mitgründer P. Joseph Paredom war Pfarrer und Exerzitien-Prediger, der seit seinem 14. Lebensjahr gewünscht hatte, in eine Ordensgemeinschaft zu gehen, um dann in Nordindien als Missionar tätig zu werden. Er setzte sich immer für die Armen und niedrigsten Kasten ein und versuchte ihnen zu helfen.

Er blieb zunächst ebenso ein Diözesanpriester in der Diözese Changanacherry.  Weil P. Mathew und P. Joseph Priester derselben Diözese waren, sich kannten und verwandt waren, erfuhr P. Joseph von dem Versuch der Ordensgründung seines geistlichen Mitbruders. So brachten die beiden ihre Ideen zusammen, und gemeinsam gelang ihnen die Gründung des Ordens. 

Gründung und Entfaltung 

P. Mathew organisierte die erste Versammlung  und die offizielle Diskussion mit dem Bischof für die Gründung eines Ordens am 23. März 1933.

An dieser Versammlung nahmen neben P. Mathew und P. Joseph noch zwei andere Priester teil, Pfarrer Mathai Paremmackal (1865-1943), Kalaripparampil Devasya (Chacko) und Mambalam Kosy (1866-1943). 45 Tage später, am 7. Mai 1933, wurde die Missionskongregation vom Heiligsten Sakrament durch den Bischof James Kalassery in Mallappally gegründet. An der Gründungsversammlung nahmen die ersten vier Mitglieder teil, Mathew Alakkalam, Joseph Paredom, Koshy Mambalam und Chako Kalaripparampil. Drei davon wohnten im Haus.  Weil das Haus für drei Personen zu klein war und finanzielle Schwierigkeiten auftraten, konnten sie nur 56 Tage dort wohnen. Am 2. Juli 1933 zogen die beiden Gründer um in ein Studenten-Wohnheim in Changanacherry (Pareel) und wohnten dort mit der Unterstützung des Bischofs mit zwei weiteren Priestern (Paremackal Mathai und Kuzhikattil Chacko).
 Drei Jahre später konnten sie mit der Unterstützung des Bischofs in Kadanchira, Kaduvakkulam, Kottayam ein kleines Haus bauen, das heute noch als Mutterhaus dient.

 Vier Jahre danach, 1937, legten die beiden Gründer nach dem Noviziat am 15. August  gemeinsam mit zwei anderen Priestern, P. Jakob Kuzhikattil und Mathew Paremakel, ihre ersten Gelübde ab. Damals waren P. Mathew 49 Jahre und P. Joseph 50 Jahre jung. Von den anderen beiden Mitgliedern war P. Jakob Kuzhikattil  69 Jahre und P. Mathew Paremackal 72 Jahre alt. 

1941, acht Jahre nach der Gründung, fand das zweite Noviziat statt, an dem vier weitere Diözesanpriester teilnahmen, die im September 1941 ihre ersten Gelübde ablegten.

Drei von ihnen waren Mitte 50 und einer schon 83 Jahre alt.

Sie waren Sebastian Mannanal (55 Jahre), Koshi Mambalam (55 Jahre), Peediekal Joseph (83 Jahre) und Mannanal Cyriac (57 Jahre ).

Das heißt, obwohl diese neuen Mitglieder des Ordens sehr gute und bekannte Priester mit Lebenserfahrung und verantwortungsvollen Aufgaben waren, waren es Diözesanpriester, die aufgrund ihres Alters eher ein ruhiges, geistliches Leben wünschten. Eine schwierige Situation.

1958 feierte die Gemeinschaft ihr 25-jähriges Gründungsjubiläum. Damals hatte sie drei Häuser (Kaduvakkulam, Athirampuzha und Karimpany), die von drei Familien gespendet waren, und ca. 10 Priester und einige Seminaristen. Deswegen war der  Nuntius für Indien, Dr. Martin Lukas, als er 1955 im Dezember Kerala besuchte, entschlossen, diese kleine Ordensgemeinschaft mit älteren Priestern aufzulösen, weil er  keine große Zukunft für die Gemeinschaft sah. Aber der damalige Bischof von Changanacherry, Mathew Kavukatt (1904-1969), der Nachfolger des Bischofs der Gründungszeit, unterstützte sehr, dass die Gemeinschaft bestehen blieb.

1960 versuchte sogar der Gründer des Ordens, P. Mathew, eine Fusion der Gemeinschaft mit dem Orden des Franz von Sales (M.S.F.S.), weil er  einerseits keine finanzielle Möglichkeit für das Bestehen und  eine gute Entwicklung sah und andererseits glaubte, durch die Fusion eine große Sicherheit zu erreichen für die Entfaltung des Ordens und die Möglichkeit der missionarischen Tätigkeit außerhalb  Keralas.

1983, als die Gemeinschaft ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum feierte, zählte sie 75 Priester, 6 Ordensbrüder und 30 Seminaristen.

2008, beim 75-jährigen Jubiläum, waren es  271 Priester und 238 Seminaristen.

2013 besteht die Gemeinschaft aus 360 Priestern und 142 Seminaristen.

Ausbildung

Heute hat der Orden drei eigene Knabenseminare,  in Athirampuzha, Pariyaram in Kerala und Solapur in Maharashtra sowie zwei Noviziat- Häuser, ein Philosophisches Institut in Bangalore und eine theologische Hochschule in Thamarassery, Kerala.

 Die Ausbildung und das Studium der Ordenskandidaten dauern nach dem Schulabschluss (Abitur) der 12. Klasse noch 11 Jahre. Falls sie nach der 10. Klasse kommen, machen sie zuerst das Abitur, dadurch wird die Ausbildung 12 Jahre dauern. Nach der ersten zwei- bis dreijährigen Ausbildung und dem Kennenlernen des Ordens machen die Bewerber ein einjähriges Noviziat mit der Profess am Ende des Noviziates. Dann beginnt das Philosophiestudium mit dem Abschluss der Bachelorprüfung. Die meisten Studenten werden parallel ein zweites Fach studieren und eine zusätzliche Bachelorprüfung abschließen,  die anderen werden nach dem Philosophiestudium ein zweites Bachelorstudium anschließen. Für diejenigen, die nach dem Philosophiestudium ein zweites Studium beginnen, wird sich  dann die Priesterausbildung noch drei Jahre verlängern, was  aber den Studenten eine große Auswahl der Studienfächer ermöglicht und die Chance für einen Nebenberuf bietet, den viele Priester ausüben, z.B. als Lehrer. Danach verbringen die Studenten ein Jahr in einer Missionsstation für das Praktikum. Mit der Ablegung ihrer ewigen Profess entscheiden sie sich, endgültig im Orden zu bleiben. Dann beginnt das Theologiestudium für sieben Semester mit Abschluss und Priesterweihe.

Tätigkeit in mehreren Bundesländern Indiens und außerhalb Indiens

Die Tätigkeit des Ordens verteilt sich heute auf mehrere Bundesstaaten Indiens und  mehrere Länder außerhalb Indiens.

70 Patres sind in Indien in verschiedenen Bundesstaaten und Diözesen mit unterschiedlichen Aufgaben tätig, in Kerala mit 40 Stationen, dann in Tamilnadu, Karnataka,  Andhra Pradesh, Gujarath, Rajasthan, Delhi und in nord-östlichen Staaten Indiens.  Außerhalb Indiens arbeiten Patres in der Seelsorge in Afrika, in Deutschland, in Italien, in den USA, in Brasilien und in Australien.

II. Tätigkeit und Mission

Die Mitglieder unseres Ordens sind in unterschiedlichen seelsorglichen, missionarischen Tätigkeiten und Entwicklungsarbeiten tätig. Über einige davon möchte ich heute berichten.

Seelsorge

Da die Gründer leidenschaftliche Theologen, Schriftsteller, Exerzitienprediger und Seelsorger waren, hat die Gemeinschaft in ihrer Geschichte große Priorität auf eine seelsorgliche Tätigkeit gesetzt.  Viele Patres predigten zu Exerzitien in Indien und es gibt welche, die auch außerhalb Indiens Exerzitien hielten oder zu Predigten eingeladen wurden. Wir nennen unsere Exerzitien eucharistische Exerzitien, in der die würdige Eucharistiefeier im Mittelpunkt steht und die Prediger die Gläubigen motivieren, ihr alltägliches Leben auf die Eucharistie und ihren Geist zentriert zu gestalten. Die Erkennung Jesu durch die  Emmausjünger beim Brotbrechen wird als Beispiel für das Erkennen Jesu und für Mut und Zeugnis genommen. Oft gehen zwei oder drei Priester zusammen in die Gemeinde, damit sie sich Zeit nehmen können für die Gemeindemitglieder und für Einzelgespräche. Als Seelsorger sind die M.C.B.S. Patres in allen Kontinenten tätig. Veröffentlichungen von  Büchern und Zeitschriften, theologische und spirituelle Vorträge und der Unterricht in den theologischen Hochschulen gehören auch zu den Aufgaben unserer Patres. 

Betreuung der Armen und Waisen

Neben ihrer seelsorglichen Tätigkeit war es für unsere beiden Gründer wichtig, sich um die Armen und Schwachen zu kümmern. Motiviert von dieser Aufgabe unserer Gründers hat die Gemeinschaft unter Leitung eines Ordensmitbruders 1991 begonnen, Obdachlose und Bettler zu betreuen und für sie ein Heim zu bauen, das mit Gründung eines Freundeskreises unter dem Namen „Freunde der Vögel des Himmels“ startete. Unsere Gemeinschaft ist der Träger zweier solcher großen Einrichtungen mit ca. 550 Bewohnern. Nach diesem Beispiel sind später mehrere Gemeinschaften und Privatpersonen in den Freundeskreis eingetreten, und es gibt in Indien heute 100 solcher Heime unter der Schirmherrschaft von diesem Freundeskreis.

Daneben hat die Gemeinschaft 5 Altenheime in Indien, für arme zahlungsunfähige alte Menschen, die dort wenigstens ein Bett, Essen und notwendige Medikamente bekommen.

In drei Häusern für geistig behinderte Menschen wohnen ca. 120 Menschen, die von unseren Patres und Mitarbeitern betreut werden. Dazu gibt es auch ein Zentrum für körperlich behinderte Menschen, die dort wohnen, die ausgebildet werden und dann vielfach eine Arbeit finden. Wer keine Arbeit hat, kann in diesem Haus weiter wohnen bleiben.

In mehreren Kinderheimen des Ordens für Voll- und Halbwaisen wohnen über 1.600 Kinder, die Kleider, Essen und Schulgebühren vom Orden bekommen. Stipendien für die Berufsausbildung armer Jugendlicher sind auch ein wichtiges Projekt unserer Ordensgemeinschaft.

Darüber hinaus gibt es auch ein Zentrum für Aidspatienten, eins für Tuberkulosekranke und eins für Krebspatienten, diese Zentren werden von unseren Patres geleitet und vom Orden finanziert. Diese wichtigen sozialen Aufgaben werden durch die Gehälter der Patres, durch ihre Berufstätigkeit und durch Spenden finanziert.

Missionarische Tätigkeit

 Ein wichtiges Ziel und Grund für die Ordensgründung war damals der Wunsch der beiden Gründer, außerhalb des Heimatstaates Kerala missionarisch tätig zu werden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts  gingen viele junge Männer und Frauen aus Kerala in andere Bundesländer Indiens, um dort als Priester oder Ordensschwester missionarisch und sozial tätig zu werden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben viele Menschen aus diesem Bundesland Indiens begonnen, auch in andere Länder und Kontinente, wie Afrika, Europa, Amerika, Lateinamerika oder Australien als Missionar und Seelsorger zu gehen. Der Wunsch der Gründer wurde 1969 realisiert, als 10 junge Priester aus dem Orden nach Nordindien und Nord-Ostindien  gingen und in drei Missionsdiözesen ihre Tätigkeit als Missionar und Seelsorger aufnahmen. Ich selber habe eine gute Erinnerung an einige Mitbrüder, die uns in ihrem Urlaub in der Gemeinde berichteten, wie sie die neue Sprache lernten und wie viele Erwachsenentaufen sie hielten, weil einer von denen aus meiner Heimat stammte. Diese Priester sind zwischen 1978 und 1981 zurückgekehrt, um unterschiedliche andere Aufgaben zu übernehmen, besonders weil wir 1978 ein Gebiet in Südindien zur Missionierung und Evangelisation vom Bischof anvertraut bekamen, um dort tätig zu sein. Nach 30 Jahren missionarischer Tätigkeit in diesem Gebiet ist Shimoga 2008 eine Diözese geworden, wo ein Ordensmitbruder Bischof wurde.

1989 haben wir ein kleines Gebiet im Bundesstaat Rajasthan vom Bischof von Ajmeer zur Missionierung übernommen und 1992 das Gebiet Satara und Solapur vom Bischof von Kalyan, Bombay.  Heute sind die Patres in Nord-Ost Indien, Afrika und Brasilien als Missionare tätig.

Bildung und Schule 

In den ersten Jahrzehnten kamen einige Anfragen von Gemeinden an die Gemeinschaft, Schulen zu gründen oder bestehende Schulen zu übernehmen. Aus Mangel an Fachpersonen und finanziellen Mitteln war der Orden aber nicht in der Lage, in die Bildung einzusteigen.

1960 hat die Gemeinschaft ihre erste Schule gegründet.  Danach konnten wir eigentlich nicht viel für die Ausbildung tun.

Aber in den letzten 20 Jahren haben viele Patres sich dafür engagiert, weitere Schulen zu gründen und zu leiten.

Heute hat der Orden 26 Schulen und 21 Kindergärten in verschiedenen Bundesstaaten Indiens, um vielen Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

Kirchenmusik und Kunst

Die liturgische Musik war ein beliebtes Gebiet der Forschung vieler Priester des Ordens. Mehrere Priester haben Musik-CDs veröffentlicht, mehrere Zentren für den Unterricht der Musik und des indischen Tanzes eröffnet, traditionelle Tanzformen gefördert und Musikgruppen und Orchester organisiert. Unsere Gemeinschaft ist in Indien diejenige, die zu den Gemeinschaften gehört, die die meiste geistliche Musik produzieren.

Dazu gibt es auch Priester, die Landwirtschaft studierten und für die landwirtschaftliche Entwicklung der Dörfer sich einbringen, Krankenhäuser verwalten, sich um Slumbewohner und Straßenkinder kümmern, ein Heim für Gehörlose leiten oder als Dozent und Heilpraktiker tätig sind.  Nicht die Bereiche der Tätigkeit, sondern die Art und Weise, wie die Tätigkeiten ausgeübt werden, finden wir wichtig, obwohl nicht immer Realität und Ideal übereinstimmen.

Schlussbemerkungen

Wenn ich am Ende über meine Gemeinschaft einige Schlussbemerkungen machen darf, sind diese Bemerkungen sehr subjektiv und sehr persönlich. Die Missionskongregation vom Heiligsten Sakrament hatte einen sehr kleinen Anfang, sehr schwierige Überlebenskrise für die ersten 25 Jahre, stabile Entwicklung für die weiteren 25 Jahre und ein großes Aufblühen in den letzten 30 Jahren. Finanziell sind wir die Ärmsten in Indien, aber in der Entwicklung der Mitgliederzahlen sind wir die stärksten. Die meisten unserer Tätigkeiten sind sozial orientiert und unsere Schulen sind so neu, dass wir die Bauten noch abzahlen müssen. Theologisch haben wir den besten Namen: eucharistische Gemeinschaft, die dem katholischen Glauben zentral bleibt. Ob wir dem Namen entsprechend vorbildlich leben, das ist eine Frage, die noch zu prüfen wäre. Unsere neue Tätigkeit in Brasilien und Afrika ist heute für viele Priester eine große Motivation, weil unsere Missionare dort über ihre große Zufriedenheit berichten, über die Aufnahme der Menschen, über die Möglichkeiten, den Menschen viel Gutes zu tun. Nach mehreren Jahren Tätigkeit in Deutschland bleibt mir heute ein großer Traum, dass eine Zeit kommen wird, wie früher, wo viele Menschen aus Deutschland als Missionare in die weite Welt gingen.

Heute ist eher Deutschland das Missionsland, das angewiesen ist auf die Seelsorger aus fernen Ländern.
Ich danke Ihnen fürs Zuhören und stelle mich jetzt bereit für ihre Fragen.

1. Adventssonntag 2013

Begrüßung
Zum Gottesdienst am ersten Adventssonntag begrüße ich Euch und Sie ganz herzlich. Heute möchte ich besonders die Erstkommunionkinder des kommenden Jahres und ihre Eltern willkommen heißen.
Der Adventskalender, der Adventskranz, Adventslieder und vieles andere geben der Adventszeit eine besondere Stimmung. Zu Beginn des Gottesdienstes wollen wir den Adventskranz segnen, der uns durch die nächsten Wochen hier in der Kirche begleiten wird und die erste Kerze anzünden. Um die Kerze anzuzünden, möchte ich ein Erstkommunionkind zum Altar einladen.

1.      Advent 2013 Lesejahr A:  Mt 24,37-44

Als ich vorgestern Nachmittag bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes am Mangfallplatz die Adventslieder hörte und danach in der Stadt die weihnachtliche Beleuchtung und die Weihnachtsdekoration gesehen habe, bekam ich gleich den Eindruck, dass es schon Weihnachten sei. Überall in der Stadt erlebe ich eine festliche Stimmung, mit Musik, Feierlichkeiten und Dekorationen, die den Augen und dem Herz gut tun. „Wir sagen euch an den lieben Advent“ diese Worte verkünden viel Freude und Hoffnung. Bei uns in der Pfarrei sind auch verschiedene Adventsfeiern geplant. Aber tatsächlich beginnen wir mit dem heutigen Sonntag erst die Adventszeit, 24 Tage, die eine Zeit des Wartens, der Hoffnung, der Besinnung, der Vorbereitung oder der Vorfreude sein sollen, um dann das große Fest der Geburt Jesu zu feiern. Außerdem hören wir in den Lesungen der Adventszeit eher Warnung und Mahnung, damit wir immer vorbereitet bleiben, um Jesus zu empfangen, wenn er wiederkommt.

Die Gedanken über Weihnachtsgeschenke und die Feier des Heiligen Abends bereitet vielen Menschen Freude und sorgt für gute Stimmung. Aber der Gedanke über die Erwählten und die Verlassenen beim zweiten Kommen des Herrn, wie im heutigen Evangelium berichtet, macht uns Sorge mit der Angst, ob wir zu den Verlassenen gehören oder zu den Erwählten. Auch wenn wir zu den Erwählten gehören, wollen wir nicht Freunde und Verwandte bei den Verlassenen sehen und zurück lassen.  

Dieses Paradox der Freude und Mahnung macht mir manchmal ein wenig Sorge, weil wir Freude und Festlichkeit in der Adventszeit vermitteln wollen und weil wir einerseits sehr auf Weihnachten bezogen leben und andererseits im Advent eine Endzeitbotschaft hören.

Das Positive im ersten Kommen Jesu, nämlich die Geburt Jesu und die jährliche Feier der Weihnacht und das zweite Kommen, das noch zu geschehen hat, das Warten und die Vorbereitung daran und die Hoffnung und Freude darauf.

Bei beiden göttlichen Ereignissen, nämlich beim ersten und zweiten Kommen Jesu, kommt er als Erlöser, Retter, König, Friedenstifter.

Wir denken an die Verheißung Jesu von seinem Wiederkommen im Advent, weil wir daran glauben, dass mit der Geburt Jesu vor zweitausend Jahren das "Kommen Jesu" nicht vorbei ist und das Warten und die Hoffnung der Menschheit nicht abgeschossen ist, sondern dass wir immer in seiner Verheißung und in der Hoffnung auf ihn leben. Weihnachten ist für uns nicht nur eine Erinnerung der Geburt Jesu und seine Geburtstagsfeier, sondern an Weihnachten kommt Jesus wirklich. Nicht nur im Advent und an Weihnachten ist Jesus gegenwärtig, sondern Jesus ist immer bei uns und er ist gegenwärtig in mehreren Formen, Anlässen und Aktivitäten. Nur, dass die Menschen ihn nicht leicht erkennen werden oder erkennen können. Der Advent und die Weihnacht erinnern uns besonders daran und mahnen uns, falls wir seine Gegenwart nicht ernst nehmen. Nicht nur das, die Adventszeit und das Weihnachtsfest geben uns die Gelegenheit die Gegenwart Jesu besonders zu feiern und uns darüber zu freuen. 

Lasset uns diese Zeit des Wartens und der Hoffnung in den kommenden Wochen mit den vielen kirchlichen und kommerziellen Angeboten in rechter Weise nutzen, dann werden wir echte innere Freude erfahren und im feiern ausdrücken. Ich wünsche ihnen von Herzen eine gesegnete, froh machende Adventszeit.


Christkönigssontag 2013


Einleitung:
Liebe Kinder, liebe Firmlinge, liebe Gemeinde,
Zum Gottesdienst am Christkönigssonntag möchte ich Sie alle ganz herzlich begrüßen. Besonders begrüße ich die Firmlinge dieses Jahres. Mit der Anmeldung Anfang Oktober und dem Elternabend letzter Woche haben wir die Vorbereitung für die Firmung begonnen. Heute kommen die Firmlinge zum ersten Mal zusammen. Ich wünsche Euch einen schönen Gottesdienst und anschließend ein angenehmes Treffen. Das Sakrament der Firmung wird am 31. Mai 2014 gespendet.

Mit dem heutigen Christkönigsfest beenden wir wieder ein Kirchenjahr und mit dem Beginn des Advents am kommenden Sonntag beginnen wir das nächste Kirchenjahr. Mit der Ankündigung des Kommens von Jesus als Kind an Weihnachten beginnt das Kirchenjahr und es endet mit der Anerkennung Jesus als König der Erde, der uns Frieden und Hoffnung schenkt. Ihn wollen wir im Gottesdienst erfahren und um sein Erbarmen bitten.

Predigt
Lk. 23: 35-43
Im Evangelium haben wir eigentlich nichts Schönes für das Fest Christkönig berichtet, sondern etwas grausames, nämlich die Kreuzigung Jesu. Wenn wir an Könige denken und über Könige hören, kommen meistens gleich Gedanken an schöne Kleider, viele Begleiter, Freude von vielen Menschen, die den König sehen, grüßen und erleben möchten und wir denken dabei auch an Macht und Kraft, die ein König hat. Aber im heutigen Evangelium ist alles umgekehrt, wir erleben die Machtlosigkeit Jesu, die Ausweglosigkeit Jesu, sein Leiden, die Erfahrung der Ablehnung vom eigenen Volk, usw. Die Soldaten und ein Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde, verspotten Jesus, aber der zweite Verbrecher setzt Hoffnung auf Jesus, er glaubt an Jesus und wird von ihm in sein Paradies eingeladen. Auf der Tafel über dem Kreuz Jesu stehen die Initialen: Jesus von Nazareth, der König der Juden“.

Wir werden normaler weise denken, warum hat Pilatus Jesus als König genannt trotz des Protestes der Juden und warum wir heute Jesus als unseren König nennen.
Es hat mit der Geschichte Israels zu tun. Es war üblich in der Antike, für jedes Volk einen König zu haben; aber hatte das Volk Israel keinen König? Jahwe, Gott, war ihr König. Später als Israel einen König bekam, betrachteten sie ihren König als Statthalter Jahwe, weil sie Jahwe, den Gott, allein als König anerkennen wollten. Deswegen wurden die Könige in Israel nicht gekrönt, sondern gesalbt.

Jahwe ist der König. Die weltlichen Könige hatten die Aufgabe, das Königreich Jahwes zu verteidigen und zu dienen.

Parallel zu dieser Tradition haben die Juden an das Kommen des Messias geglaubt, der für sie König sein wird.

Die Suche der Sterndeuter bei der Geburt Jesu, des Königs der Juden bestätigt diesen Glauben vom Kommen des Messias, als König. Die Ermordung vieler unschuldiger Kinder bei Herodes aus Angst vor Jesus dem König zeigt auch den Glauben der Juden und der Menschen damaliger Zeit, auf das Kommen des Messias als König.

Während Jesus lebte und wirkte haben viele Menschen ihn als Messias und König erlebt. Pilatus war auch überzeugt, dass Jesus der Messias und König sei. Aus Angst vor den Juden hat Pilatus Jesus kreuzigen lassen; aber er wollte seine Überzeugung bekannt machen und dafür hat er auf die Tafel geschrieben. Das ist Jesus von Nazareth, König der Juden.

Als Messias und Sohn Gottes ist Jesus unser König, weil wir Gott als unseren König anerkennen und wir als sein Volk gelten.

Jesus ist nicht nur der König der Juden, er ist König aller Menschen. 

 Alle die an Jesus glauben nehmen an der Königswürde Jesu teil. Deswegen werden alle Täuflinge bei der Taufe mit Chrisam gesalbt,  genauso wie im Alten Testament die Könige gesalbt wurden, statt gekrönt zu werden. Daher sind wir alle Vertreter Christi und seiner Botschaft. Um an die Königswürde zu erinnern wird vor der Erstkommunion  in einem Gottesdienst und vor dem Empfang der Firmung eine Tauferneuerungsfeier gehalten.


Das Christkönigsfest erinnert uns, dass Christus unser König ist, unser Herr und Gott. Wir als Christen nehmen an seiner Königswürde teil und daher auch an seiner Botschaft und Mission. Taufe, Erstkommunion  und Firmung sind ausdrückliche Zeichen dafür, dass wir diese königliche Würde bewusst bewahren wollen, in Worten und Taten. Die Teilnahme an der Eucharistiefeier kann uns daran erinnern, dass wir am Leben Jesu als König und an seinem Auftrag teilnehmen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass wir an den gekreuzigten Jesus glauben, der den Frieden, die Liebe und das Erbarmen Gottes auf der Erde gepredigt und praktiziert hat, der uns immer Frieden, Liebe und Hoffnung geben kann.

33. Sonntag im Jahreskreis

Einführung
Heute, am vorletzten Sonntag des Jahreskreises begeht die katholische Kirche in Deutschland den Diaspora-Sonntag, unter dem Leitwort „Weil Er lebt. Vertrauen schenken. Glauben gewinnen. Gemeinschaft stärken.“ So wollen wir heute bes. an unsere Mitchristen in Europa denken, die als Katholiken in bestimmten Ländern und Regionen in extremen Minderheiten ihren Glauben leben. In Nordeuropa, in skandinavischen Ländern und in Osteuropa sind die katholischen Christen eine kleine Minderheit, die unsere Solidarität und finanzielle Unterstützung brauchen. Vor allem wollen wir heute für diese gläubigen Christen beten, die manchmal viele Kilometer fahren müssen, um eine katholische Kirche zu finden oder einen katholischen Gottesdienst besuchen zu können.

Predigt
Lk. 21:5-9

Heute hören wir im Lukas Evangelium einen Abschnitt aus den sogenannten Endzeitreden Jesu, in dem Jesus über die Zeichen des Unterganges, das Ende Jerusalems und dadurch das Ende des jüdischen Reiches und über die Verfolgung der Christen redet. Zunächst scheinen uns die Worte Jesu sehr erschreckend und Angst machend.

Über den Tempel Jerusalems und seine schönen Steine sagt Jesus, dass „kein Stein auf dem anderen bleiben wird.“ Dadurch verkündet Jesus die Zerstörung Jerusalems, die 72 nach Christus stattfand.

Über die Weitergabe der Lehre und Werte Jesus sagt er, dass viele Irrlehrer im Namen Jesu kommen werden und behaupten, dass sie Jesus selber seien. Inzwischen haben wir in der Geschichte des Christentums viele Irrlehrer erlebt und auch den Schaden erfahren, den sie angerichtet haben.

Krieg, Naturkatastrophen, Hungersnöte, Feindschaften und Streit zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern und Verwandten, Völkern und Nationen werden auch als Endzeit angekündigt. Immer erleben wir irgendwo in der Welt Krieg oder Naturkatastrophen, Streit und Hungersnöte. Trotz gewaltiger Schäden und Zerstörungen gehen die Kirche und die Menschen weiter mit ihrem Glauben und ihrer Botschaft.

Die Lieferung der Gerechten zum Gericht, Verfolgung und Verurteilung der Jünger Jesu von weltlichen Richtern, Erfahrung von Hass und Betrug sind auch Zeichen. Diese Erfahrung gibt es auch zu jeder Zeit.

Die Worte Jesu hören sich erschreckend und Sorgen machend an.

Da wir aber alle diese Zeichen in der Weltgeschichte zu jeder Zeit erlebt haben und Jesus mit dieser Ankündigung negativer Ereignisse und Erfahrungen seine Rede nicht beendet, finde ich diesen Abschnitt sehr Hoffnung weckend, weil Jesus hier ausdrücklich sagt, dass wir keine Sorgen haben müssen, darüber, was wir reden und tun sollen, wenn wir missverstanden und falsch beurteilt oder verurteilt werden.

Wer standhaft bleibt, dem wird kein Haar gekrümmt und der wird das Leben gewinnen.
Standhaftigkeit und Treue, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit zu Gott und Gottes Wort, zu einem selber und seinem Gewissen, sind entscheidend um diesen versprochenen Gewinn des Lebens zu erlangen.

Diese grundlegenden Persönlichkeitsmerkmale, die Jesus verlangt, um seine Jünger zu bleiben und das Leben zu gewinnen, sind wichtig für jeden von uns, um in allen Bereichen unseres Lebens unser Ziel zu erreichen und Erfolg zu haben.

Man könnte denken, dass wir mit Betrügereien und Unehrlichkeit einiges gewinnen können, aber letztendlich wird nur die Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit gewinnen.

Diese Hoffnung weckende Botschaft mit Rezepten für Gewinn inmitten von Streit, Krieg, Betrug, Verfolgung, Hunger und Naturkatastrophen möchte ich Ihnen heute als Wort Gottes für die kommende Woche mitgeben und Gott bitten, dass er uns alle schützt und besonders unsere Mitchristen in Nord- und Osteuropa stärkt, damit sie trotz schwieriger Bedingungen, treu und standhaft ihren Glauben bezeugen können.


32. Sonntag im Jahreskreis

Predigt  Lk. 20:27-38

Das heutige Evangelium erzählt die interessante Geschichte einer Frau, die sieben Brüder nacheinander heiratete, wo jeder dieser Männer nach der Heirat mit ihr, ohne Kinder starb und sie dann den Nächsten heiratete.

Heute ist es schwierig und kaum vorstellbar, dass es in einer Familie sieben Brüder gibt; aber damals war es wahrscheinlich so. Außerdem ist es eine Geschichte, wo die Frage über die Wahrscheinlichkeit keine Rolle spielt.

Die sieben Hochzeiten dieser Frau sind auf die Vorschriften von Mose begründet, dass eine Witwe nach dem Tod ihres Mannes durch die Heirat mit ihrem Schwager versorgt war. Die Sadduzäer berichteten darüber, um Jesus eine Falle zu stellen wegen seinem Glauben an die Auferstehung, sie glaubten nicht an die Auferstehung der Toten, im Gegenteil zu den Pharisäern, die an die Auferstehung der Toten glaubten. Die Sadduzäer als Schriftgelehrte und die Pharisäer als strenge Befolger der Gesetze waren zwei einflussreiche  und gegeneinander stehende Gruppen der Juden, denen Jesus seine Lehre des Reiches Gottes verkünden musste. Beide waren nicht für Jesus und die beiden Gruppen haben oft versucht, Jesus eine Falle zu stellen.  Dieses Mal war es der Glaube und die Lehre Jesu über die Auferstehung der Toten, die für die Sadduzäer nicht zu akzeptieren war.
Jesus hat eine klare Antwort auf die Frage über die Auferstehung  und zu welchem Mann diese Witwe im Himmel gehörte, weil sie nacheinander alle sieben heiratete ohne eigene Nachkommen zu haben. D.h. alle sieben Männer waren für die Frau gleich wichtig, egal wen sie zuerst heiratete. Jesus sagt, dass es im Himmel keine Heirat gibt, sondern alle gleich wie Engel und Söhne Gottes sind. Auf einer Seite ist es schwierig zu glauben, dass wir im Himmel die Eltern,  Frau oder eigene Kinder nicht als solche erkennen werden. Aber es ist ein froher Gedanke zu wissen, dass wir alle gleich wie Engel sind und gleich wie Abraham, Mose, Jakob, die Apostel, Päpste, Kardinäle, Bischöfe. Alle Menschen die den Ruf Gottes gehört haben und die Gott für würdig hält, sind gleich wie Engel im Himmel. Dort brauchen wir dann nicht gegenseitig zu kennen, sondern wir dürfen in der Herrlichkeit Gottes ewig leben.

Diese frohe Botschaft, dass wir in der Ewigkeit den Engeln gleich und alle Kinder Gottes sind, kann uns trösten, im Gedanken an den eigenen Tod und wenn uns nahestehende, liebe Menschen durch den Tod genommen werden. Die Worte Jesu schenken uns große Hoffnung auf die Auferstehung der Toten und das ewige Leben, die wir Tag für Tag erneuern und vertiefen wollen.

30. Sonntag im Jahreskreis

Einleitung

In jedem Gottesdienst hören wir einen Abschnitt aus dem Evangelium, der uns für die kommende Tage Impulse zum Alltag geben kann. Heute begegnen wir im Evangelium einem kleinen Menschen, der Zachäus heißt. Für Zachäus war das Verdienen des Geldes das Wichtigste und dafür hat er Wege gesucht, die ihn unter seinen eigenen Leuten sehr unbeliebt gemacht haben. Er kommt zu Jesus und wird ein neuer Mensch. Wir wollen im Gottesdienst Jesus begegnen und für Veränderungen im Leben Kraft und Mut schöpfen. Wir bitten um sein Erbarmen.

Predigt Lk. 19:1-10

Jesus kommt nach Jericho und geht durch die Stadt, wo viele Menschen zu ihm kamen, um ihn zu sehen und zu hören. Jericho war die Zollstation für die Römer:  Zachäus war jedem bekannt als einer, der das ganze Gebiet gepachtet hatte, um für die Römer Zoll zu kassieren. Er musste einen bestimmten Betrag jedes Mal den Römern liefern; aber kassierte vielmehr als vorgesehen war; aus diesem Geschäft war er ein reicher Mann. Er hatte eigene Mitarbeiter, die ihm halfen von den Juden Zoll zu verlangen und es wurde oft unangenehm bei diesem Einkassieren.

Zachäus hatte viel Geld und er lebte für Geld. Sein Ziel war, möglichst viel Geld zu verdienen, dafür hat er diesen Beruf gewählt, obwohl diese Tätigkeit ihn unter seinen eigenen Leuten unbeliebt machte. Er galt als Sünder und von Gott verlassener Mensch, den man nur hassen konnte.

Als der kleine Zachäus Jesus sehen wollte, musste er auf einen Baum steigen, weil er sehr klein von Gestalt war. Er war klein nicht nur in seiner körperlichen Gestalt, sondern weil er seine eigenen Leute ausgebeutet hat, um reich zu werden; er erfuhr Hass und Abneigung von seinen eigenen Leuten, weil er unmenschlich war. Obwohl Zachäus sehr reich war und alles hatte, haben die Leute ihm keinen Weg frei gemacht, damit er nach vorne kommen konnte um Jesus zu sehen, weil er in ihren Augen eine rücksichtslose Person war. Für Zachäus Wunsch, Jesus aus der Nähe zu sehen, hätte niemand Verständnis gezeigt. Daher hatte Zachäus auch keine Scheu auf einen Baum zu steigen. Er zeigte in seinem Verhalten auch kein Statusdenken; keine vornehme Art, keine Rücksicht auf die Anderen. Er versuchte das zu erreichen, was er wollte, egal wie, genauso wie er immer gehandelt und gelebt hatte. Aber erstaunlicherweise bleibt Jesus stehen und sagt:

Zachäus, komm schnell herunter!
Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. 

Jesus wartet nicht auf die Einladung von Zachäus, sondern sagt es fast wie eine Verpflichtung: Ich muss“. Weder Zachäus noch die Zuschauer konnte es verstehen, weil Jesus als Heiliger bei einem Sünder als Gast einkehrt.  Zachäus hätte sich nie getraut, Jesus zu sich einzuladen, weil er sich seiner Sünden bewusst war. In dieser Begegnung geschieht die Bekehrung und Zachäus wird ein neuer Mensch.

Die Begegnung mit Jesus führte Zachäus zur Umkehr, er wurde überzeugt von dem, was er tun musste. Deswegen traf er sofort entsprechende Maßnahmen und gab bekannt, was er als neuer Mensch verändern will. Jesus verspricht ihm und seinem Haus das Heil.

Oft haben auch wir das Bedürfnis und die Chance in unserem Leben etwas zu verändern und wie ein neuer Mensch zu werden. Wie Zachäus bereit war auf einen Baum zu steigen, müssen wir bereit sein die ersten Schritte zu tun. Wenn die ersten Schritte gemacht sind, dann wird Gott uns durch seine Gnade die nötigen Wegweisungen geben, so wie Jesus beim Zachäus sich selber eingeladen hat und ihn geführt hat, damit er ein neuer Mensch wurde.


Jeder Gottesdienst bietet uns die Gelegenheit Gott neu zu begegnen und dadurch ein neuer Mensch zu werden. Wir können Gottes Gegenwart im Zeichen des Brotes und des Kelches erleben. Wie Zachäus wollen wir Jesus sehen und ihm begegnen. Die Begegnung mit Jesus  kann uns zu einer anderen Sichtweise verhelfen und zu neuen Menschen machen.

Allerseelentag 2013

Einleitung:
Heute am Allerseelentag, der immer auf den 2. November fällt, gedenken die Menschen ihrer verstorbenen Freunde und Verwandten. Sie gehen zu den Friedhöfen und zünden Grablichter an und schmücken die Gräber mit Blumen. Allerseelen ist der Tag der Erinnerung an liebgewonnene Menschen, die verstorben sind und denen man sich an diesem Tag gedanklich und im Gebet besonders nahe fühlt.
So wollen wir im heutigen Gottesdienst und im Gebet besonders der verstorbenen Mitglieder unserer Pfarrgemeinde vom Allerseelentag letzten Jahres bis heute gedenken. Wir werden nun die Namen der Verstorbenen verlesen und für Jeden eine Kerze anzünden.
  
Predigt 

Am Allerseelentag stellen wir uns vielleicht die Frage, wo sind unsere lieben Verstorbenen? Was tun sie nun und wie können wir mit ihnen in Verbindung bleiben? Wir fragen uns, ob es ein ewiges Leben gibt?  Wir Christen glauben an die Gemeinschaft der Lebenden und der Verstorbenen mit Gott in Ewigkeit. Deswegen feiern wir das Fest Allerheiligen, in dem wir von der Kirche Heilig gesprochenen Mitglieder der Kirche als unsere Vorbilder ehren und am nächsten Tag gedenken wir aller verstorbenen Christen, die nach unserem Glauben in der Gemeinschaft der Heiligen beheimatet leben, obwohl sie nicht Heilig gesprochen sind.

Den eben gehörten Abschnitt des Evangeliums über die Auferweckung des Lazarus lesen wir oft bei einer Beerdigung. Die Auferweckung des Lazarus hat bestimmt seinen Schwestern, Verwandten und Freunden viel Freude bereitet. Aber die Botschaft der Auferweckung des Lazarus ist nicht eigentlich die Erfüllung des Wunsches der Menschen unsterblich zu sein oder wie Lazarus zurück zu kehren zu irdischem Leben, sondern zeigt die Macht Jesu über das Leben und den Tod und die Notwendigkeit auf ihn zu vertrauen; wie Martha sagte: Herr, wenn du hier gewesen wärest, wäre mein Bruder nicht gestorben.

Wie Martha im heutigen Evangelium denken wir manchmal, dass Jesus vielleicht unsere Lieben leben lassen könnte. Aus solchem Denken trauern wir über unsere Verstorbenen. Es gibt auch Menschen, die wegen dem Verlust der Angehörigen gegenüber Gott zornig geworden sind. Alles ist verständlich, wenn wir von unserer Seite her denken. Am Allerseelentag dürfen wir aber auch von der Seite der Verstorbenen denken und verstehen, was unsere lieben Verstorbenen für sich wünschen würden.

Vor einigen Jahren habe ich dazu ein sehr intensives Gespräch mit einem Mann geführt, der medizinisch schon gestorben war, aber wieder zum Leben kam und nun viele Jahre wieder arbeitet und ein ganz normales Leben führt. Er sprach über seine Erfahrung in der Phase des medizinischen Todes, dass er über ein helles Licht wie in einem Tunnel gehen konnte und er innerlich ein tiefes, beglückendes Erlebnis haben durfte. Es war für ihn ein richtiger Kampf, wieder zurück zum Leben kommen zu müssen. Er wollte von dieser Erfahrung nicht mehr zurück kommen. Nun, wenn er daran denkt, sagte er, dass er sich freuen würde, wenn er wieder von Gott heim gerufen wird.


Solche Berichte zeigen, dass die Verstorbenen kein Gefühl des Verlustes haben werden oder sich nicht traurig fühlen, sondern sich auf das ewige Leben freuen und bei Gott ihre Heimat finden. Die Hinterbliebenen leben oft mit einem Gefühl des Verlustes und trauern um ihre lieben Verstorbenen. Als gläubige Christen dürfen wir auf die Auferstehung am letzten Tag hoffen und bis dahin unsere lieben Verstorbenen in ihrer ewigen Heimat bei Gott, Glück und Freude erleben lassen. In dieser Hoffnung und mit diesem Glauben wollen wir heute für unsere lieben Verstorbenen beten und Gott danken für das, was wir durch sie erleben durften. Der Herr über das Leben und den Tod wird auch uns einmal in die ewige Heimat führen. Amen.

28. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C

28. Sonntag im Jahreskreis
Lk. 17: 11-19

Wenn kleine Kinder sprechen lernen, kommen meistens zuerst die Wörter Mama und Papa zur Aussprache und dann kommt auch bald das Wort Danke.

Wir erleben heute öfter, dass Menschen den Wert der Schöpfung missachten und dabei Vieles als selbstverständlich sehen und annehmen, ohne einmal zu danken für das, was sie von Gott und von ihren Mitmenschen empfangen. Wir selber versäumen auch manchmal, dankbar zu leben oder Dankbarkeit durch Worte und Taten zu zeigen und enttäuschen dadurch uns nahestehende Menschen. Wir erfahren oft, dass die Erwartung von Dankbarkeit viel größer ist als man denkt. Gleichzeitig erleben wir, dass die Geste der Dankbarkeit große Wirkung haben kann, größer als wir es uns vorstellen können.

Wir können im Evangelium viele Heilungsgeschichten lesen und dadurch betrachten viele Menschen Jesus als einen Wunderheiler. Es stimmt, dass Jesus durch die Taten der Heilung vielen kranken Menschen geholfen hat, besonders in einer Zeit, wo die medizinische Versorgung nicht so gut war wie heute.  Aber in den Heilungsgeschichten des Evangeliums war das wichtige Thema nicht die Heilung sondern der Glaube an Gott und die Dankbarkeit. „Dein Glaube hat dir geholfen, sagt Jesus zu dem geheilten Aussätzigen. Jesus befragt ihn über die neun geheilten Juden, die zu dem auserwählten Volk Gottes gehörten, die aber nicht daran dachten Danke zu sagen.

Wir haben alle genügend Gründe jeden Tag Gott zu danken, weil wir oft im Leben in überraschender Weise von Gott beschenkt werden und wir seine Hilfe und seinen Beistand in vielen Situationen erfahren dürfen. Wir haben auch genügend Gründe gegenüber vielen Menschen dankbar zu leben, weil wir ohne die Hilfsbereitschaft und die Zuwendung anderer Menschen kaum fähig sind, ein lebenswertes Leben zu haben.

Der Glaube und der Dank sind zwei wichtige Themen und zwei wichtige Begriffe, die uns im Leben immer begleiten sollten.